Ein grünblasser Proletarierbub mit abstehenden Ohren öffnete Ruth die Türe. Es roch nach aufgewärmtem Essen. Im Zimmer war eine Nähmaschine. Darauf eine Petroleumlampe. Ein Mensch bei der Nähmaschine, in der Nähmaschine, ein Stück der Nähmaschine, in sie hineinverwachsen, bucklig verkrümmt, eng.

Ruth dachte: Wieder weg, gleich –

Da kam Thomas herein in blaugestreiften Hemdärmeln. Sie stotterte etwas, dunkelrot, besinnungslos verlegen. Der blasse Bub glotzte sie an. Thomas Schwester steckte den Kopf aus ihrem Buckel heraus. Er selbst war gar nicht erstaunt. Sagte fast grob: danke. Sie bemerkte, daß ihm ein großer Augenzahn fehle, daß eine schmutzige Unterhose auf dem Sessel neben ihr lag. Ihr ekelte wild.

Eine Stimme, die weich war, wie die laue Nacht draußen, sagte: – Bleiben sie doch noch ein wenig und ruhen Sie sich aus. Sie sind ja ganz erhitzt.

Das bucklige Ungeheuer. Ruth hätte ihr die zu langen, kranken Hände küssen wollen.

Thomas und sein Bruder waren hinausgegangen. Die Nähmaschine ruhte. Und die Petroleumlampe war noch heruntergeschraubt.

Thomas Schwester hatte stechend graue Augen mit müden Lidern. Sie sprach von Onkel Gustav wie von einem Halbgott und fragte sehr viel.

Ruth dachte: Der große, schwarze Kasten in der Ecke dort schaut Thomas ähnlich. Er ist schön und mächtig, aber was da nur drinnen hängt. Ich möchte meine Kleider nicht hineingeben. Wie es hier riecht – nach Baumwollstrümpfen, die nicht gewaschen werden.

Thomas Mutter schlürfte herein. Sie hatte rote Wangen, als ob sie früher einmal geschminkt gewesen wäre und war furchtbar häßlich. Sie begrüßte Ruth als alte Bekannte und stellte graue Teller auf den ungedeckten Tisch.

Thomas kam wieder in das Zimmer und schien sehr unzufrieden, daß Ruth noch da war. Sie sprang auf. Er begleitete sie vor die Haustüre, hinten im Hof bellte der Hund. Sie gab ihm die Hand und ihr war, als ergreife sie einen toten Knochen.