– Ruth, sagte er langsam, ich danke Dir. Es ist so viel Wärme in Deinem Zimmer. Mich friert nicht mehr. Aus dem Mark der Knochen stößt sich die Kraft heraus – heute abend wird –

Er war schon lange fortgegangen. Ruth lag vor der erloschenen Glut auf genau demselben Fleck, wo er gelegen war. Und stöhnte: aus dem Mark der Knochen heraus. Thomas. Ein Kind. Von ihm ...

Thomas ging aufrecht nachhause. Beim Abendessen teilte die Mutter vor: Kraut und jedem sein Stück Brot. Die Petroleumlampe brannte sehr schwach, tief heruntergeschraubt. Thomas sprach in sich hinein: heute abend wag ich es, heute endlich. Ich habe ihnen ja noch nie etwas weggenommen. Aber heute, das bißchen Petroleum, das werden sie mir schon geben, können sie gar nicht verweigern. Und der Bub schiebt sein Bett einfach herein. Aus der Straßensteinrundung heraus bricht das Wort. Schon ist es nahe, nahe –

– Heute können wir zeitlich schlafen gehen, sagte die Mutter weinerlich, überhaupt jetzt, wo der Thomas so keine Hefte mehr zu korrigieren hat.

– Muß ich wirklich aus der Schule heraus, fragte der blasse Bub.

– Wird schon so sein, sagte die Mutter mürrisch. – Warten wir es ab, sang Gertruds milde Stimme dazwischen und ihre Augen suchten Thomas, flehend, verzweifelnd und doch gleich wieder voll Vertrauen.

– Was geht Ihr mich alle an, dachte Thomas, das Wort, aber ich muß erst um Petroleum bitten.

Wieder lag die Hand auf seinem Hals. Aber nicht mehr ein Messer mit stumpfer Klinge. Lange Finger mit verschiebbaren Gelenken drückten sich in die Kehle hinein.

– Gertrud, sagte er und zog sie in eine Ecke, gib mir alles Petroleum, was wir haben, heute Nacht, nur heute Nacht. – Die Mutter hat den Schlüssel. Aber ich muß mit Dir reden, ob Du uns wirklich alle zugrunde richten willst, lieber, einziger Thomas, wenn Deine Schule – Laß das jetzt, ich brauche Licht. – Die Mutter hat das Petroleum. – Mutter gib mir alles Petroleum. – Geh schlafen. – Mutter, nur heute. –

Die alte Friseurin grinste höhnisch: – hab keines mehr.