Sie geht durch die weißerstarrten Gassen. Deren grelles Gefunkel in der Sonne schmerzt. Der Himmel ist tief dunkelblau. Onkel Gustavs höchster Wunsch war immer, einmal nach Italien zu kommen. Der Schnee zerbricht unter ihren Schritten.

Vor Gustavs Haustor will sie noch umkehren. Mutter wird sicher weinen. Richard und Martha machen traurige Gesichter. Norbert ist gewiß auch da. Nein, es ist unmöglich hinaufzugehen. Aber da ist noch Onkel Gustavs Hund. Sie kriecht über die Treppen.

Onkel Gustav hat das Gesicht zur Wand gekehrt. Der Hund liegt auf seinen Füßen. Den läßt er nicht von sich. Aber sonst kennt er niemanden.

Ruth will die weinenden, die gefaßten, die wichtigen Gesichter nicht sehen. Sie geht an das Fenster. Sie möchte es aufmachen. Aber sie ist gelähmt. Auf dem Fensterbrett steht eine halbgefüllte Teetasse mit schief abgebröckeltem Rand. Und ein rostiger Löffel. Es ist doch gut, daß Onkel Gustav stirbt.

Der Arzt unterhandelte mit Richard und Martha, wie man Mutter am besten aus dem Zimmer bringen könne. Er hatte seine geschäftsmäßig traurige Miene. Ruth wollte sich nicht umwenden.

Die Sonne war untergegangen, draußen in ferner Ebene.

Onkel Gustav röchelte.

Norbert trat zu ihr: Ruth – Lassen Sie mich. – Aber Ruth – So lassen Sie mich doch, was wollen Sie von mir. Gehen Sie hin zu ihm. Legen Sie sich auf seine Füße. Wärmen Sie ihn.

Onkel Gustav röchelte.

Blut und Schleim.