Ruth fürchtete sich vor den langen, spitzen Zähnen des Hundes. Er lief ihr nach auf Schritt und Tritt. Und sie konnte ihn nicht zu den andern zwingen. Die riefen ihn bei dem englischen Namen, den Mutter ihm gegeben hatte.

In der Nacht lief er winselnd vor ihrer Türe hin und her, bis sie ihn in das Zimmer ließ. Dann schlief er in einer Ecke. Sie aber hielt die Augen weit offen vor Grauen. Dort lag das Tier.

Fell, gierige Zähne, saugende Zunge.

Das Tier atmete lauter und rascher als sie. Zerstörte den Rhythmus ihres Zimmers. Das war zum Stall geworden.

Alle riefen den Hund bei dem englischen Namen. Er gehorchte keinem.

Einmal riß sie ihn an dem Halsband zurück, als er aus dem Kübel trinken wollte. Da schnappte er nach ihr. Das Blut tropfte aus drei großen, tiefen Löchern in ihrer Hand. Ihrer schmalen, braunen, suchenden Hand. Wie sie diese Hand liebte. Ihre Hand. Ihre glatte Menschenhand.

Sie bekümmerte sich nicht mehr um den Hund. Er folgte niemandem und Mutter ließ ihn vertilgen.

An diesem Abend saßen sie alle unter der Speisezimmerlampe. Und Mutters Rechenbücher beherrschten die Mitte. Richard sagte: – Der arme Kerl. Eigentlich bist du schuld an seinem Tod, Ruth. – An Onkel Gustavs Tod? – Nein doch, ich meine den Hund. – Ach so.

– Hilf mir, Richard, sagte Mutter über den Tisch herüber. Ich kenne mich da nicht aus. – Richard beugte sich über ihre Schulter. Dann sagte er mit traurigem Gesicht: – Diese Rubrik können wir jetzt streichen. Und zog mit rotem Bleistift einen dicken Strich über eine halbe Seite. Ruth sah oben den Namen Gustav.

Nein, das war unmöglich, nein, das konnte man doch nicht tun, mit rotem Bleistift, rotem Bleistift –