Da teilte sich plötzlich das Gebüsch und ein etwa vierzehnjähriger Gärtnerbursche sprang daraus hervor und in den Fluß hinein. Mit kräftigen Armen durchteilte er die Flut, bis er die Stelle erreichte, an welcher das verschwundene Kind soeben wieder sichtbar wurde, dann ergriff er es mit sicherer Hand und hob es in den schwankenden Kahn, bevor er sich selbst hinein schwang.
»Das hätte schlimm ausfallen können, kleines Fräulein,« sagte er aufatmend zu der noch immer zitternden Alma, indem er die Ruder ergriff und den Kahn zurücklenkte. Alma kniete neben der wie leblos daliegenden Freundin am Boden.
»Ist sie tot, Jakob?« flüsterte sie entsetzt, das totenbleiche Gesichtchen betrachtend.
»So schlimm ist’s wohl nicht,« meinte jener beruhigend, »aber sie muß so rasch wie möglich aus den nassen Kleidern, daß keine Erkältung nachfolgt.«
»Ich wage mich aber nicht mit ihr ins Schloß, da es sonst Papa erfährt,« flüsterte Alma, »o was sollen wir thun?«
»Wenn es Ihnen recht ist, Fräulein Alma, bringen wir das Fräulein zu meiner Mutter, die weiß sicher Rat,« sprach Jakob nachdenklich.
»O Jakob, das ist das beste, du bist wirklich Goldes wert,« rief Alma befreit aufatmend dem Gärtnerburschen zu, der es eigentlich nicht um sie verdient hatte, da sie ihn oft mit schlimmem Hochmut behandelte und ihm kaum einen Gruß schenkte. Er war aber ein guter Bursche und hatte das alles im Augenblick vergessen.
Sorgsam half er seiner kleinen Herrin, das fremde Mädchen in das alte Gärtnerhäuschen zu bringen, wo seine Mutter, welche früher Almas Amme gewesen war, die kleinen Gäste bereitwillig aufnahm und sich sogleich damit beschäftigte, Aennchen aus den nassen Kleidern und ins Bett zu bringen, wo diese in der Wärme bald die Augen wieder aufschlug und behauptete, sich ganz wohl zu fühlen.
Wer war glücklicher als Alma! Sie saß an dem großen Bett in der Gärtnerstube und plauderte der Freundin vor, welche mit bleichen Wänglein dalag und sich die seltsame Veränderung kaum erklären konnte. Währenddem kochte die Frau Gärtnerin den beiden Mädchen einen prächtigen Kaffee, zu dem sie kräftiges Schwarzbrot und Honig auftrug, und so fanden sie das Abenteuer erst recht lustig und unterhaltend. Als Aennchens Kleider am Herde getrocknet waren, wurde sie wieder in dieselben gehüllt; schon war der Nachmittag darüber zu Ende gegangen und Aennchen erinnerte sich daran, daß ihr die Mama befohlen habe, bis um sieben Uhr zu Hause zu sein. Sie fühlte sich auch recht müde und schwer in den Gliedern, und so vermochte sie Alma nicht zu halten. Sie geleitete den Gast zum Schlosse zurück, wo sie den Wagen anzuspannen befahl, dann wollte sie Aennchen zu ihren Eltern führen, damit sie sich bei diesen verabschieden konnte. Aber beide hatten keine Zeit für die Kinder und es war Alma willkommen; so wurde auch nichts von der verunglückten Kahnpartie verraten.