Die Mädchen hatten sich alle zur richtigen Stunde auf dem großen Platz vor der Schule eingefunden; nur einige wenige, welche durch Unwohlsein abgehalten waren, fehlten; darunter Martha Traugott, deren schwächlicher Körper eine so weite Tour nicht zu machen erlaubte. Aennchen aber flog vor allen anderen auf ihre Freundin Alma von Stolzau zu, welche auch vollständig wie zu einer Reise gerüstet, im weißen Wollkleidchen und großen Strohhut erschienen war und voll Stolz sogleich Aennchen ihr wohlgefülltes Portemonnaie zeigte, welches sie in einem zierlichen Täschchen bei sich trug.
»Sieh’ her!« flüsterte sie »zwei Thaler hat mir Mama für den heutigen Tag gegeben und ich habe aus meiner Sparbüchse auch noch einen dazu genommen – da werden wir wohl reichen!«
Aennchen blickte ganz beschämt auf ihr eigenes Beutelchen nieder; sie war sich so unendlich reich vorgekommen, als sie die Mark von den Eltern erhalten hatte; nun aber hatte Alma so sehr viel mehr. Diese aber tröstete sie:
»Wir teilen alles mit einander und wollen es uns recht wohl sein lassen. Weißt du, was mir das liebste ist: wenn ich heute einmal recht nach Herzenslust Käse essen kann in einem Wirtshaus.«
»Aennchen und Alma, was habt ihr wieder für Heimlichkeiten miteinander?« rief von der Spitze des Zuges Herr Müller zurück. »Schließt euch ordentlich in die Reihen des Zuges ein und nun frisch in einem Trab marschiert: Rechts, links, rechts, links, – dann wollen wir ein Liedchen singen, da geht das Marschieren noch einmal so gut!«
Und mit hellem Klange begann der ganze Mädchenchor aus frohen Kehlen das schöne Wanderlied zu singen:
»Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus –
Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus –
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.