»Aennchen, Aennchen!«

»Ich komme, ich komme!« rief Aennchen jauchzend den Geschwistern entgegen; die deuteten lachend in die Höhe und da – was war das? Eine allerschönste große neue Schaukel war mitten auf dem grünen Rasenplatz angebracht! War das ein Jubel und eine Seligkeit! Aennchen kannte sich kaum vor Freude und die Geschwister riefen:

»Du darfst ja heute am meisten schaukeln, weil ja dein Geburtstag ist.«

Wie ein Eichhörnchen so flink kletterte Aennchen auf die Schaukel und Bruder Fritz, der heute einen freien Tag hatte, war so galant und artig, das Schwesterchen hoch in alle Lüfte zu schaukeln. O das war herrlich! sie kam dem großen Kastanienbaum ganz nahe und sah die kleinen Brüderchen Willy und Hermännchen als winzige Punkte unten stehen. So ging es lange Zeit fort, da wollte Aennchen doch auch die andern an die Reihe lassen, denn sie war recht artig geworden, und so setzte sie die kleinen Brüder auf die Schaukel und ließ sie an dem Vergnügen teilnehmen.

Um zehn Uhr gab es heute als Frühstück herrliches Honigbrot und die Kinder durften es im Garten verzehren. So verging Stunde auf Stunde des so schlimm begonnenen Tages in schönster Lust und als Aennchen endlich spät am Abend im Bettchen lag und Mama noch kam, mit ihr den Abendsegen zu beten, da flüsterte sie ihr noch leise ins Ohr:

»Nicht wahr, Mütterlein, du verzeihst mir, daß ich heute morgen so unartig gewesen bin?«

Ein inniger Kuß der Mutter war die Antwort.

Zweites Kapitel.
Der erste Schultag.