Es war auch wirklich ein entzückendes Häuschen, das ganz so erbaut war wie das Schweizerhäuschen, welches wir zu Haus auf der Etagere stehen haben. Es mußte ganz nagelneu sein: die Wände glänzten von dem hellen Holz und waren mit vielen Geweihen geziert. Zwei große Veranden liefen rings um das Häuschen herum, an den Fenstern waren hellgrüne Läden, das schwarze Dach sprang weit vor und auf der Spitze des Daches wehte eine Fahne lustig im Wind.

»Wem gehört denn das köstliche, kleine Anwesen?« frug Mamachen ganz entzückt, als sie an Papas Arm rasch darauf zuschritt.

»Du wirst schon sehen!« erwiderte Papa geheimnisvoll. »Wir sind ja bald oben.« Und wirklich standen wir nun alle vor dem Häuschen, dessen Thüre gastlich geöffnet war, aber niemand zeigte sich, uns zu begrüßen.

»Springt nun hinein, Kinder, und sucht die Hausfrau! Ihr dürft es ohne Scheu!« gebot Papa, und schüchtern folgten wir dem Befehl. Anfangs getrauten wir uns kaum, in den nagelneuen Stuben aufzutreten, da die Dielen so schneeweiß waren. Ein Zimmerchen war freundlicher und niedlicher als das andere, Tische und Stühle, alles war nagelneu, die Wände reizend verziert, die Sonne lachte durch bunte Scheiben herein, es war wie in einem verzauberten Häuschen. Denn nirgends war jemand zu erblicken, das ganze Haus war leer und mir klopfte beinahe das Herz, während die kleinen Brüder fröhlich vor mir hertrabten und erst zaghaft, dann immer lauter und herzhafter riefen: »Hausfrau, wo ist denn die Hausfrau?«

Endlich waren wir oben am Speicher angelangt und mußten wieder umkehren; wir liefen zu den Eltern zurück, die uns Hand in Hand vor der Thür erwarteten, und riefen:

»Wir haben niemand finden können, die Hausfrau ist nicht da!«

»Hier ist die Hausfrau!« sprach Papa lächelnd, indem er den Arm um unser Mütterlein legte, »ich habe eurer Mama heute zum Hochzeitstag dies Häuschen als Gabe beschert und ihr dürft auch als kleine Herren darin mit uns schalten und walten. Jeden Sonntag in der schönen Jahreszeit und jede Ferienzeit werden wir nun in dem neuen Landhäuschen zubringen, das euch hoffentlich allen gut gefällt.«

Ach, wie sollte es uns nicht gefallen? Es war alles geradezu himmlisch schön. Vergessen war alle Müdigkeit in einem Nu, wir wußten uns vor Freude kaum zu fassen und wurden nicht müde, jeden Winkel des Hauses zu durchstöbern und alles zu bewundern. Als wir in die niedliche, nagelneue Küche traten, stand schon unsere Lisette voll Stolz darin; sie hatte auf dem blitzenden Herd das erste Feuerchen angemacht und faltete nun betend die Hände, daß es Segen bringen möge, indem ihr die Thränen über die runzligen Backen herunterliefen. Dann packte sie aus dem Korb die Eßwaren und das Geschirr und begann im Eßzimmer den Tisch für das Mahl herzurichten.

Wir aber sprangen ins Freie, in den Garten hinaus. Da wartete unser neue Ueberraschung. Ein großer, viereckiger, noch unbepflanzter Platz war in vier gleiche Teile geteilt, an jedem stand ein Stecken in die Höhe, welcher eine Tafel mit Namen trug Fritz, Aennchen, Hermann und Willy! Papa hatte jedem von uns ein eigenes Gärtchen zum Bebauen zuteilen lassen; der gute, liebe Vater! In einem Stallschuppen standen eine Menge Gartengerätschaften für uns Kinder, nebenan aus dem Stalle hörten wir meckern.

»Eine Ziege, eine lebendige Ziege!« riefen die kleinen Brüder, welche zu Hause einen ausgestopften Ziegenbock haben, aber sonst noch keinen sahen. Sie sprangen auf ihn zu und wollten ihn bei den Hörnern fassen, Ziegenböckchen aber ließ nicht mit sich spaßen, und ehe Hermännchen sich’s versah, lag es umgeworfen in der weichen Streu auf dem Boden.