»Mein Sonntagskleidchen! Der böse, böse Bock!« jammerte der kleine Mann, welcher heute Morgen voll Stolz sich das weiße Kleidchen hatte anziehen lassen. Währenddem hatte aber Fritz eine neue Entdeckung gemacht – einen zweiten Stall, in welchem eine glänzende, braune Kuh sich befand, daneben ein Milchkämmerchen. Darin war ein langer Holztisch, auf welchem eine Anzahl von Schüsseln, alle mit köstlicher Milch gefüllt, standen, ferner ein Butterfaß und ein Wasserbottich, in dem schwamm ein Ballen wundervoll goldgelber Butter herum. Ein junges Bauernmädchen in rotem Rock, schwarzem Mieder und weißer Schürze trat herein und erklärte knixend, sie sei als Stallmagd hier gedungen, und ob wir die Butter verkosten wollten, die sie heute morgen ausgebuttert habe.

»Wie, die kannst du doch unmöglich selbst gemacht haben?« frug ich erstaunt, und Hermännchen rief altklug: »Die Butter wächst ja!« Wir mußten tüchtig lachen, er aber stampfte mit dem Fuße und rief weinerlich: »Freilich, die Butter wächst und die Eier – der Fritz hat’s gesagt.«

»Fritz hat dir etwas weisgemacht,« belehre ich ihn; dieser wurde ganz verlegen, das Bauernmädchen aber, welches Bärbele hieß, zeigte uns, wie die Butter aus der Milch hergestellt wird und wie lang die Milch im Butterfaß gedreht werden muß, bis sie endlich zu schöner, goldklarer Butter geworden ist. Das war wirklich höchst erstaunlich – wir konnten uns nicht genug verwundern.

»Wollt ihr auch sehen, wo die Eier zu finden sind?« frug Bärbele und führte uns in einen schönen, geräumigen Hühnerstall, der in einen umgitterten Hof hinausführte. Was war hier für ein Gegluck und Gegacker! weiße Hennen, schwarze Hennen, bunte Hennen, große Hähne, kleine Hähne, niedliche Puttchen, Perlhühner und, o Wunder, sogar ein großer, prächtiger Pfau spazierten in dem Hofe hin und her, flatterten auf und duckten sich nieder, es war ein Lärm, daß man sein eigenes Wort nicht verstand. Bärbele gab uns einen Korb mit Körnern, die durften wir austeilen; da flogen sie uns auf die Arme und Hände, sogar auf die Schultern und Köpfe, und wir jauchzten vor Vergnügen. Nur Willy hatte anfangs beinahe Angst und meinte: »sie wollen mich fressen!«

Nun ließ uns Bärbele Eier in den Verstecken suchen. War das ein Vergnügen, als wir eine Menge zusammenfanden! sogar Hermännchen entdeckte zwei Eier; als er sie uns aber voll Eifer bringen wollte, stolperte er und brach sie entzwei, so daß seine Händchen ganz gelb und klebrig wurden, und als er sich weinend damit ins Gesicht fuhr, da wurde auch dieses voll gelber Flecken.

Es war nun auch Zeit, nach oben zu kommen. Lisette rief zu Tisch. Und nun hielten wir das fröhlichste Mahl, noch nie in unserem Leben hatte es uns so gut gemundet! Papa und Mama sahen ganz glückselig aus und waren so gütig und liebreich mit uns Kindern, daß wir ganz stolz waren. Zuletzt bekam jedes in einem Gläschen sogar etwas Wein, Lisette wurde hereingerufen und erhielt auch ein Glas in die Hand und Papa sagte, sie dürfe die erste Rede halten, dann müsse jedes der Kinder jemand leben lassen. Lisette wischte sich erst mit der Schürze über den Mund und sah ganz kirschrot vor Verlegenheit aus, dann räusperte sie sich und sagte:

»Oh, die Ehr’, die Ehr’, mir wirbelt der alte Kopf! Gnädiger Herr, gnädige Frau, ich weiß wohl, was ich sagen möcht’, aber ich bin ein armer Dienstbot’ und kann’s nicht ausdrücken. An die Kinderlein muß ich halt denken, wie die in dem schönen Hause aufblühen werden, und ich wünsch’, es soll halt jedes von ihnen so gut und so brav und so lieb und treu werden wie ihr Papa und ihre Mama.«

»Brav gemacht, gute Alte!« rief Papa und reichte Lisette die Hand, und auch Mama schien ganz gerührt.

Nun mußte Fritz sprechen – er stand rasch vom Stuhl auf, stieß an das Glas und rief:

»Meine Herren und Damen! (So hatte er es schon gehört und war stolz darauf.) Wir sind so fröhlich hier beisammen, daß niemand weiß, wer von uns der Fröhlichste ist. Aber ich weiß, wer heute der Allerbeste ist, und das ist der liebe, gute, goldige Papa, der uns ein so wundervolles Vergnügen gemacht hat, und darum wollen wir ihn alle mit unserem köstlichen Wein hochleben lassen und rufen: Hoch, hoch, hoch!«