Wie wir alle durcheinander schrieen – es war eine Lust! Nun aber sollte ich sprechen und das machte mich so verlegen, daß meine Stimme ganz zitterte, als ich stotternd begann:

»Es ist heute – nein, so wollte ich ja nicht sagen – liebe Mama, lieber Papa, ich gratuliere, ach, das gehört ja zu einem Geburtstag, lieber Papa, liebe Mama, wir sind hier versammelt –« ich wußte gar nicht mehr weiter, d’rum schwenkte ich rasch mein Glas und rief: »Die liebe, süße, goldige Mama lebe hoch!«

Dann aber setzte ich mich recht beschämt nieder; ich hatte meine Sache sehr schlecht gemacht, da konnten’s ja die kleinen Brüder noch besser, denn Willy rief ganz keck:

»Hoch! das Häuschen hoch!« und Hermännchen schrie dazwischen:

»Das Bärbele hoch und die Hühner und die Kuh, nur der Ziegenbock nicht; der hat mich in meinem Sonntagskleidchen umgeworfen!«

Nun wurden wir aber den Eltern allzu übermütig, deshalb brachen sie rasch ab und wir wurden alle hinauf in die Schlafzimmer gebracht; wir behaupteten zwar, nicht müde zu sein, aber kaum lagen wir auf den weichen Betten, so sanken wir alle in tiefen Schlaf. Leider verschliefen wir eine lange Zeit des schönen Nachmittags, dann aber konnten wir doppelt erfrischt in den Garten springen und uns dem Vergnügen hingeben, bis am Abend zu unserem großen Bedauern der Heimweg wieder angetreten werden mußte.

Diesmal verschmähten Hermännchen und Willy den Kinderwagen nicht, sie hatten sich so müde gelaufen, daß sie wie die Säcke hineinfielen und darin schliefen bis zur Heimkehr; ich kam auch sehr müde zu Hause an und hatte nur noch Zeit zu beten:

»Lieber Gott, ich danke dir tausendmal für den schönen, schönen Tag.« – Da fielen mir auch schon die Augen zu. – –

Zwölftes Kapitel.
Aus Marthas Tagebuch.