»Aber?« frug ich dazwischen.

»Aber ich bin doch tief unglücklich, weil – – –«

»Weil – – –?« drängte ich sie.

»Weil – weil du nun eine andere Freundin hast und mich nicht mehr lieb haben wirst,« kam es endlich stockend heraus. Also das war’s! Das böse Mädchen war eifersüchtig! Sie fürchtete, ich würde sie nun übersehen neben der neuen Freundin! In ihrer Bescheidenheit dachte sie ja immer, hinter den andern zurückstehen zu müssen; aber sie sollte sehen, daß ihre Befürchtungen gänzlich grundlos waren, denn von der einen Seite nahm Alma, von der andern ich sie unter den Arm, wir umarmten und küßten sie, schalten sie tüchtig aus und schwuren uns dann auf derselben Stelle ewige Freundschaft. Es sollte zwischen uns dreien ein Freundschaftsbund fürs Leben werden; wir waren ganz begeistert von dem Gedanken und entwarfen sofort den Plan, von nun an ein Kränzchen stiften zu wollen, welches »Vergißmeinnicht« benannt werden sollte.

Dann kehrten wir glücklich vereint zu den andern zurück, welche uns lächelnd empfingen und durchaus wissen wollten, was uns so lange zurückgehalten habe. Wir aber verrieten nichts, so sehr Peppino in uns drang. Derselbe ist gar ein lieber, lustiger Bursche, er befreundete sich herzlich mit Bruder Fritz, obgleich derselbe etwas jünger ist, und die kleinen Brüder waren bald so keck, daß sie ganz ungeniert mit ihm spielten und ihre Possen treiben.

Herr von Stolzau hatte seine Freude daran. Ich hätte nie gedacht, daß er so mild und liebenswürdig zu sein vermag; er unterhielt sich sehr freundlich mit allen, am meisten aber sprach er doch mit Fräulein Klara, welche mit glänzenden Augen zu ihm aufschaute und so frisch und wohl aussah, daß wir uns alle nicht genug darüber freuen konnten.

Erst spät am Abend ließ Herr von Stolzau seine Equipage wieder vorfahren, doch versprach er vor der Trennung noch, Alma recht oft mit uns verkehren zu lassen, wenn er auch nicht vor hat, sie noch einmal in die Schule zu schicken; vielmehr erkundigte er sich bei Mama nach einem passenden Pensionat. Diese sprach lange halblaut mit ihm; ich hörte zuletzt, wie sie sagte:

»Auch ich werde Aennchen nach der Konfirmation in diese Pension senden.«

Das wäre ja dann in gar nicht weiter Ferne, denn meine Vorbereitungen für die Konfirmation haben schon begonnen und nächste Ostern wird dieselbe stattfinden. Ich habe mit Martha zugleich Konfirmationsunterricht bei unserem lieben alten Herrn Dekan, der so recht versteht, unsere Herzen vorzubereiten zu dem wichtigen Schritt, der uns bevorsteht. Alma ist katholisch, ich fragte sie, ob sie schon konfirmiert sei; sie sagte, ihr Vater sei dafür, daß dies erst mit 18 Jahren geschehe, zu Hause bei ihnen im Norden sei dies so Brauch – dies wunderte mich sehr.