»Hier unten auf der Bank, Mutterle, bei Tante – – ja, wie heißt denn du?«

»Charlotte, mein Kind!«

»Bei Tante Charlotte. Komm' doch auch!«

Die helle Gestalt auf dem Felsen wandte sich und klomm langsam herab. Im Näherschreiten erkannte sie Fräulein Hartwig und lächelte ihr freundlich zu.

»Grüß' Gott! Sie genießen auch den köstlichen Morgen!«

»Und mit Entzücken; das ist eine schöne Entschädigung für das Unwetter in der Nacht. Sie werden wenig Schlaf gehabt haben, Frau Doktor, ich hörte die Kleine weinen –«

»Ach, das bissel!« unterbrach Erna beinahe geringschätzig. »Ich kann ganz viel anders schreien noch, aber Papa« – –

Frau Melitta legte ihre Hand auf das Plaudermäulchen, »du darfst Blumen suchen gehen, Herzblatt, aber nicht zu weit fortlaufen – immer so, daß Mama dich sehen kann. Wenn Sie gestatten, Fräulein Hartwig, setze ich mich zu Ihnen. Störe ich Sie bei Ihrer Lektüre?«

»Ich hatte noch nicht angefangen. Es wird Sie vielleicht befremden, daß ich am Sonntagmorgen kein Andachtsbuch in der Hand habe, aber, sehen Sie – der Inhalt dieses Buches – das ist nun so meine Andacht!«