»Mein Mann ist zum Frühschoppen gegangen zu einem Universitätsfreund, den er gestern hier zufällig getroffen hat. Erna kann das Wort nicht behalten!«

»Schmeckt das schön – der Frühschoppen? So wie Schokolade mit Schlagsahne?«

»Ganz anders, Herzblatt. Jetzt komm' aber, die fremden Onkel und Tanten wollen alle zum Frühstück zu uns herüberkommen, und wir müssen uns noch schön machen. – Papa will das so!«

»Eins von meinen weißen gestickten Kleidern und die große rosa Schleife, gelt?«

»Ja, ja, du kleines Fragezeichen. Sag' Tante adieu!«

Erna stellte sich auf die Fußspitzen und hob beide Ärmchen zu Charlotte empor, um sich küssen zu lassen.

»Adieu, mein süßes Kind! Auf baldiges Wiedersehen!«

»Du kommst auch zum Frühstück, gelt?«

»Gewiß, komme ich!«

Es war dem alten Fräulein warm geworden bei den Erzählungen von ihrem Bruder, bei der herzlichen Teilnahme der schönen Frau und der Zutraulichkeit des Kindes. Sie blieb noch eine kleine Weile auf ihrer Bank sitzen, den zusammengeklappten »Nathan« auf den Knieen, und ließ ihre Augen gerührt und entzückt über die schöne Gebirgswelt, inmitten deren sie sich befand, hinwandern. Es war ihr so dankbar und glücklich zu Mut, das Leben war so schön, die Natur so köstlich – und wie gut waren die Menschen! Hätte sie noch ihren Walter hier – aber nein, das wäre zuviel Glück gewesen!