»Wahrscheinlich ist es so, wie Sie sagen. Etwas überladener Magen, weiter nichts! Diese übertriebene Ängstlichkeit hat gar keinen Sinn! Wenn man Kinder bei jeder Gelegenheit gleich ins Bett stecken wollte, hätte man nichts als eine Herde elender Schwächlinge!«

»Sie verzeihen, Herr Doktor!« sagte Charlotte ruhig. »Das Kind hatte weder zum Umherlaufen noch zum Essen die geringste Lust, es schlief fortwährend auf meinem Schoß ein. Offenbar ist ihm im Bett am behaglichsten, es war, meiner Ansicht nach, die einzige Wohlthat, die man ihm erweisen konnte!«

Der spöttische Zug in Doktor Schotts Gesicht trat stärker denn je hervor.

»Mein gnädiges Fräulein« – er betonte das Wort »Fräulein« besonders scharf – »Ihre sonstige Welt- und Menschenkenntnis in allen Ehren … allein auf dem Gebiet der Kinderkrankheiten dürfte Ihnen am Ende die Erfahrung fehlen, und Sie verzeihen es mir daher, wenn ich mich Ihrer Autorität nicht blindlings unterwerfe, sondern es vorziehe, mir als Arzt ein eigenes Urteil zu bilden. – Friederike – die Lampe!«

Melitta war zusammengezuckt, wie wenn ein körperlicher Schmerz sie träfe.

»Du thust Fräulein Hartwig großes Unrecht an, Udo! Sie hat sich unseres Kindes so liebenswürdig, in bester Absicht angenommen – – wir sind ihr nur Dank schuldig –«

»Bemühen Sie sich nicht weiter, liebe Frau Doktor!« Charlotte sprach in demselben gelassenen Ton wie zuvor. »Es genügt mir, von Ihnen verstanden zu werden; Sie wissen, wie herzlich lieb ich Sie und Ihre Kleine gewonnen habe. Ihren Herrn Gemahl zu überzeugen, kann mir nicht in den Sinn kommen, und, wenn ich offen sein darf – es ist mir auch nicht viel daran gelegen!«

Sie wandte sich zur Thür und hörte noch, wie Doktor Schott, als habe sie gar nicht gesprochen, in geschäftsmäßiger Weise sagte: »Den Thermometer, Friederike!«


4.