Die Ehegatten waren allein. Die junge Frau hatte finster die Brauen gefurcht, ihr liebliches Gesicht sah überraschend ernst und streng aus. Mit offenbarer Mühe unterdrückte sie eine Bemerkung, die ihr auf den Lippen schwebte – – – nein, sie mußte erst abwarten!
»Es scheint mir, Melitta,« begann Doktor Schott mit gedämpfter Stimme, »als suchtest du in letzter Zeit geflissentlich etwas darin, meinen sämtlichen Weisungen zuwiderzuhandeln. Ich habe dir gesagt, diese altjüngferliche Weisheit, diese Hartmann oder wie die Person heißt, sei mir unangenehm, und ich wünschte keinen Verkehr zwischen dir und ihr – die Folge davon ist, daß ich sie heute bei dir im Zimmer finde! Was soll das bedeuten?«
»Einfach das, was ich dir schon oft gesagt habe: daß ich meine eigenen Sympathien und Antipathien habe, wie du die deinen, und daß ich mich in meinem Benehmen danach richten werde, ebenso, wie du es thust!«
»Das ist also offener Trotz!«
»Nennst du es Trotz gegen mich, wenn du deinen Neigungen Raum giebst?«
»Ach – ich und du! Glaubst du etwa, dieselbe Stellung einzunehmen, dieselben Rechte zu haben, wie ich?«
»Als Mensch gegen Mensch genommen – ganz gewiß!«
Doktor Schott hob mitleidig die Schultern.
»Du hast dir von all' dem dummen Zeug, das heutzutage geschrieben wird, über allgemeine Menschenrechte und Frauenbewegung und Gleichstellung der Geschlechter den Kopf verdrehen lassen. Kann es dir im Ernst beikommen, dich mit mir – mit mir – in einen Kampf einzulassen?«