»Wenn du fortfährst, mich wie ein unmündiges Kind zu behandeln – ja!«
»Nun gut!« Ein grausames Lächeln, das dies schöne Männerangesicht bös entstellte, zuckte um des Doktors Lippen. »Wir wollen sehen, wer der Stärkere ist und wer den Sieg behält!«
Sie hatten beide leise gesprochen – Melittas Blick hatte keine Minute aufgehört, angstvoll das Kind zu beobachten, das von einem schweren Schlaf befangen dalag, hörbar atmete und die zu Fäustchen geballten kleinen Hände mehrmals rasch öffnete und schloß.
Friederike brachte die Lampe und den Thermometer.
»Gut – nun decken Sie das Kind ab, und heben Sie es in die Höhe.«
Die Kleine fuhr mit einem lauten Schrei empor, als das Mädchen sie anrührte. Die junge Frau riß das Kind ungestüm aus Friederikes Armen, nahm es auf den Schoß und wickelte es in die Bettdecke ein. Sie sprach der Kleinen liebkosend und begütigend zu, aber ihre Lippen bebten, und ihr Atem flog.
Der Doktor machte ein Ärmchen frei und hielt den Thermometer in die Achselhöhle; als er ihn wieder hervorzog, las die Frau 40½ Grad. Sie wandte sich um.
»Gehen Sie hinunter, Friederike, und fragen Sie Frau Eigener, ob es nicht möglich wäre, noch heute einen Boten ins nächste Gebirgsdorf zum Arzt zu schicken, damit er wenigstens morgen in aller Frühe hier sein kann!«
»Friederike, Sie bleiben hier – Sie werden diese Bestellung nicht ausrichten!«