Über dem Körperchen des Kindes trafen die Augen der Gatten ineinander.
»Ich befehle es Ihnen – Sie gehen hinaus, Friederike – Sie werden unten im kleinen Vorzimmer warten, bis Sie mich läuten hören!«
Es war Frau Melitta, die dies sagte – mit einem Blick, mit einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. Das Mädchen warf noch einen fragenden Blick auf den Doktor, dieser zuckte nur die Achseln, zog einen kleinen Schlüssel aus der Westentasche und schloß ein Tischchen in der Nähe des Fensters auf. Friederike ging geräuschlos aus dem Zimmer.
Melitta beugte sich tief über das leise klagende Kind, das sich mit beiden Händchen fest an ihre Kleider klammerte.
»Nur ruhig sein, mein Liebchen, Mama ist da, Mama bleibt bei dir – nein, nein, niemand darf Erna anrühren, niemand wird Erna etwas thun! So leg' hier dein Köpfchen an – was sagst du? Was soll Mama? Singen?«
»Ja, singen – singen! Abend – und – Nacht!«
Die junge Frau holte einen tiefen Seufzer recht aus voller Brust. Am Ende … sie war die erste Mutter nicht, die am Bettchen ihres kranken Kindes singen mußte:
»Guten Abend, gute Nacht,
Mit Rosen bedacht« – –
Sehr umflort und gepreßt klang ihre weiche Stimme – aber über das heiße Kindergesichtchen ging es wie ein Lächeln.