Melitta kniete und hielt das Kind aufrecht in ihren Armen; und nun sagten sie zusammen langsam und feierlich die zwei kleinen Gebetchen her, die Erna kannte. – Aber zwischendurch lachte das Kind – seine Gedanken wanderten; es wollte seinen Puppenjungen haben, Hansei hieß er, der den einen Arm verloren hatte – Mama sollte Hansei bringen, aber fortgehen sollte Mama nicht, nein – Erna fing bitterlich an zu weinen – Mama sollte bleiben, und Hansei sollte kommen!
»Friederike ist doch da – laß sie die Puppe suchen und herbringen!« sagte die junge Frau, ohne sich umzuwenden. Aber bis Hansei gefunden wurde, dachte Erna nicht mehr an ihn. Jetzt wollte sie Pferdchen spielen mit Mamas langen Haaren, das sollten die Zügel sein. Mit beiden Händen griff sie in die seidene Pracht und zerrte daran.
»Laß los, Erna, du thust Mama weh!« gebot ihr Vater in rauhem Ton mit finsterblickenden Augen.
Das Kind warf sich hintenüber und fing zu schreien an.
»Sie hat mir nicht weh gethan – und wenn … als ob es darauf ankäme! Ein krankes Kind, ein Kind, das phantasiert!«
»Papa fortgehen! Papa nimmer wiederkommen!«
»Nein, nein, mein Liebchen, er soll nicht kommen. – So tritt doch zurück, daß sie dich nicht mehr sieht!«
»Ernas Ball, der rote, kleine – der so hupft!«
»Gleich, mein Herzblatt, Friederike soll ihn suchen!«
»Ernas Ball – und Ernas Bilderbuch, vom Schäfchen und von – und von – der Muh-Kuh!«