»Meine Gnädigste – mein Fräulein – ich –«

»Aus Erbarmen! Helfen Sie – um Ihrer Schwester willen, die mich liebt, die ich liebe! Das Kind muß – muß sterben, wenn nicht – wenn nicht – und es ist kein Arzt – keiner …« – Sie fiel in ihrer Aufregung und Verzweiflung vor ihm auf die Kniee, sie haschte nach seinen Händen, um sie an die Lippen zu führen.

»Nicht doch – um Himmels willen – wo ist das Kind? Führen Sie mich!«

Professor Hartwig gab Schirm und Koffer an Resi ab.

»Tragen Sie das einstweilen fort, und sagen Sie, bitte, meiner Schwester noch nichts, ich suche sie später auf. – Diese Treppe hinauf?«

»Ja!«

Resi sah den beiden, wie sie nebeneinander die Treppe hinaufstiegen, mit offenem Munde nach. Diesmal faßte sie den festen Vorsatz, zu schweigen.

Professor Hartwig warf einen kurzen prüfenden Blick auf seine Begleiterin, er sprach kein Wort weiter. Im Krankenzimmer angekommen, legte er seinen Hut auf das Fensterbrett und streifte die Handschuhe ab. Dann trat er an das kleine Bett. – »Wie lange ist das Kind schon in diesem Zustand?«

Melitta schöpfte zitternd Atem. Die Stimme wollte ihr nicht gehorchen.