»Ich – ich kann es nicht genau sagen. Wir hatten eine weite – eine weite Gebirgspartie unternommen, waren zwei Tage und eine Nacht unterwegs. Als ich mein Kind verließ, war es gesund gewesen – gestern des Abends sagte mir Ihre Schwester, es wäre ihr bald – bald nach unserem Aufbruch verändert erschienen – still und apathisch. Wir fanden es in hohem Fieber!«

»Und es ist kein Arzt hier?«

»Er ist nach München zu einer Versammlung, und bis nach Leuten hinauf sind es mehr als drei Stunden – ein beschwerlicher Aufstieg … in der Nacht wollte ihn niemand unternehmen!«

»Haben Sie gar kein Mittel bei dem Kinde angewendet?« »Doch!« Die junge Frau wurde rasch nacheinander rot und blaß. »Wir – ich – mein Mann weiß einiges – hat einige medizinische Kenntnisse – wenigstens interessiert er sich – –«

»Gut also! Was haben Sie gegeben?«

»Zuerst ein weißes Pulver – es sollte fieberstillend sein – dann diese Tropfen« – sie nahm das Fläschchen vom Tisch und reichte es dem Professor.

Dieser zog den Kork heraus, roch an dem Fläschchen, goß sich ein paar Tropfen in einen bereit liegenden Theelöffel und kostete. Ohne etwas Weiteres zu sagen, schloß er das Fläschchen wieder und setzte es beiseit.

»Wollen Sie jetzt das Kind aus dem Bett heben, ich muß es genau untersuchen. Haben Sie einen Thermometer zum Messen der Temperatur hier? Gut. Bitte, setzen Sie sich hierher neben das Bett, ich gebe Ihnen die Kleine auf den Schoß.« Er hatte gesehen, daß Melittas Hände stark zitterten.

»Wenn – wenn Erna bei Besinnung ist, wird sie sich nicht von Ihnen berühren lassen – sie wird sich sehr aufregen –«