Draußen im Hausflur konnte sich's das alte Fräulein nicht versagen, den Bruder zu umarmen und zu küssen – eine Ceremonie, die er lächelnd, mit guter Miene, über sich ergehen ließ. »Ich bin so glücklich, so grenzenlos glücklich! Sage mir bloß, wie es gekommen ist, daß du kamst!«

»Hat ja Zeit, liebe Alte, wird alles werden! Vor allen Dingen: wie heißt sie denn?«

»Wer? Ach so – Melitta meinst du? Frau Doktor Schott aus Augsburg! Ist sie nicht wunderschön?«

»Hm! Und was treibt der Mann?«

»Ach – der! Komm hier in mein Zimmer, man könnte uns hören! Nach meiner Ansicht treibt der Mann nichts als Dummheiten! Ein arroganter Patron, ein Besserwisser, ein Mensch, der von allem wissen will –«

»So? Von Medizin versteht er aber nichts!«

»Er hat das Kind falsch behandelt, nicht wahr?« fragte Charlotte eifrig.

Ihr Bruder sah ihr sehr ernst ins Gesicht.

»Ich weiß, daß du schweigen kannst, Lotte – und daß du es hier thust, versteht sich von selbst! Ja denn! Das eine Mittel, das dieser Herr, der sich so für Arzneikunde interessieren will, dem Kinde gegeben hat, war harmlos – weder wirksam noch schädlich – mit dem zweiten sieht es bedenklich aus!«