»Ich stehe zu Diensten,« sagte der Professor höflich, »vorausgesetzt, daß es Sie nicht befremdet, in der Behandlung einen Weg eingeschlagen zu sehen, der dem bisherigen total entgegengesetzt ist!«

Doktor Schott maß den Sprecher von Kopf bis Fuß mit einem funkelnden Blick. Der Professor stand ruhig da, mit der Miene eines Mannes, dem das Aussprechen seiner innersten Meinung etwas Selbstverständliches ist.

»Ich wäre begierig!« sagte der Doktor scharf.

»Liebe Charlotte,« wandte sich der Professor an seine Schwester, »du gestattest wohl, daß wir zu dieser medizinischen Auseinandersetzung in dein Stübchen hinübergehen – ein Krankenzimmer ist dazu so ungeeignet wie nur möglich. Ich hoffe, das Kind wird ruhig bleiben unterdessen!« Mit einem geschickten Griff lockerte er das Kissen unter dem fieberheißen Köpfchen auf und bettete es höher. Die junge Frau war sehr bleich geworden und blickte ihn angstvoll fragend an – auch Charlotte sah beunruhigt aus. Der Professor sah ihnen beiden mit seinen klugen, gütigen Augen ins Gesicht und schüttelte ein klein wenig den Kopf, als wollte er versichern: »Keine Sorge!« Dann machte er eine Gebärde, um Doktor Schott den Weg zu weisen; auf ein überhöflich betontes »Bitte!« desselben, schritt er ruhig voran. Im nächsten Augenblick waren die beiden Männer verschwunden.

»Gehen Sie hinunter zu Frau Eigener, Friederike, und kommen Sie nicht früher herauf, als bis ich Sie rufe!« sagte Melitta wie mit einem plötzlichen Entschluß. – – Und kaum hatte sich die Thür hinter dem Mädchen geschlossen, da ergriff die junge Frau mit einer flehentlichen Gebärde beide Hände des alten Fräuleins und sagte in dringendem, unwiderstehlich bittendem Ton: »Nicht wahr, Sie haben mich lieb? Nur ein wenig – ein ganz klein wenig nur – –«

»Nein!« sagte Charlotte, zog sie an sich und küßte sie. »Nicht ein klein wenig! Sehr lieb – – von Herzen lieb!«

»Und wollen mir helfen?«

»Helfen? Wozu?«

Melitta schöpfte tief Atem. »Ich will von ihm fort – für immer! Ich kann nicht mehr bei ihm bleiben!«

»Kind, um Gottes willen, Sie wissen nicht, was Sie sprechen – Sie reden im Fieber –«