Der dachte: man muß auf jeden Fall verhindern, daß er jetzt gleich mit ihr spricht. Er ist zu unselbstständig in dieser Angelegenheit, und sie würde ihn wieder bestricken. Ein großer Geist ist er ja nicht, aber so dumm doch auch nicht, daß er in Wahrheit diesem Frauenzimmer mehr glauben sollte als mir! Und auf dieses große schöne und berechtigte Vertrauen setzte er sich so fest und solide nieder wie jetzt auf das breite braune Ledersofa, auf dem er mit seinem Freunde schon mancher edlen Flasche den Hals gebrochen hatte.

Es war am Ende dann nicht so schwierig, ihn zu bewegen, diese Angelegenheit erst einmal schriftlich anzufassen. Mit Herrn v. Zülchows Hilfe entstand ein Brief, der deutlich genug war, selbst von Fräulein Wurach verstanden zu werden, und der doch Lutzens gequältem Herzen die Hoffnung ließ, eine tröstliche und alle Verleumdungen zerschmetternde Antwort zu erhalten.

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Aber die Zeit verging, eine Antwort traf nicht ein, und in der Gegend erzählte man, daß Fräulein Wurach abgereist sei.

Herr v. Dörfflin war darnach eine lange Zeit blaß und schlottrig, und als er sich wieder erholte, verfiel er aufs Trinken.

Das Schlimmste dabei war, daß er sich genierte, mit den alten Freunden zusammen zu sein und lieber in die weit entfernte größere Stadt fuhr, wo er in einen Trink- und Spielklub niederen Ranges geriet.

Sein Freund, Herr v. Zülchow, machte sich anfangs keine Gedanken hierüber. Diese wüste Periode war vielleicht ein ganz begreiflicher Abschluß. Aber es blieb dabei. Die schlechten Gesellen, die ihn ausbeutelten, wußten, was sie an ihm hatten, wie Fräulein Wurach es gewußt hatte, und sie fesselten ihn durch Schmeicheleien, auch wie sie.

Der Rummelshöfer versuchte schriftlich und mündlich sein Möglichstes. Aber der von Hohen-Leucken war nicht mehr für ihn zu sprechen, er wurde beleidigend in seinen Ausfällen. Er hatte schon Schule gemacht in seiner neuen Umgebung und hatte Ausdrücke an sich, denen man nur aus dem Wege gehen oder sie blutig rächen mußte.

Die große Stadt lag von Hohen-Leucken drei gute Stunden Wagenfahrt entfernt. Die Leuckener Kutschpferde mußten sich schon an diesen Weg gewöhnen. Oft, wenn Herr v. Dörfflin ungnädig und durch irgend etwas an seinen Kumpanen geärgert war, konnten sie sogar ohne Rast wieder umkehren und die drei Meilen wieder zurückjagen. Zu Hause aber mußten die Bonne und die Mädchen nur bemüht sein, die Kinder aus der Nähe ihres Vaters fern zu halten.

Zweites Kapitel.