Beweise? Ach lieber Gott, die waren nicht so schwer zu erlangen. Aber er hatte so ein verdammtes Mitleid mit dem runden roten lieben Gesicht, das in die freiesten und lustigsten Stunden seines Lebens hineingehörte wie die Lichter an dem Christbaum.

Er schwieg; ihm selber, nun er das schwere Amt hinter sich hatte, da die Komik verflogen war, stieg Schmerz und Traurigkeit bis in die Kehle. Es soll ja schon manchmal vorgekommen sein, daß in solcher Stunde aus einer alten Liebe ein tödlicher Haß geworden ist.

Ludwig Dörfflin sah auch eigentlich nicht darnach aus, als ob er solche Lehre still in die Tasche stecken und in Tapferkeit und ehrlicher Selbstüberwindung darüber fortkommen würde. Von solch einem Ding wie Selbstüberwindung hatte dieser kleine trink- und hiebfeste Gutsherr sein Lebtag noch nichts gehört, wenigstens war ihm das nur etwas für seinen Reitknecht.

»Soll ich lieber jetzt die Jungen rufen und fahren?« fragte Herr v. Zülchow.

»Ach was. Wozu? Bleibt nur ruhig!«

Das sprach die Wirtspflicht aus ihm, die gute Manier, die den armen Kauz auch zu schlimmster Stunde nicht verließ. Nicht einmal der Gedanke kam ihm, sich mit dem Beleidiger seiner Dame zu schlagen. Er hatte ja recht. Jedes Pünktchen glaubte er. Er sah Fräulein Anneliese in der allerschlechtesten Beleuchtung, die nur möglich war. – Aber, was nun weiter?

Herr v. Zülchow wandte sich von dem kläglichen Bilde ab und ging hinaus, durch eine Seitentür in den novemberkahlen Garten. Man hatte das letzte Laub noch nicht weggeharkt, es rauschte unter seinen Füßen. Der lustige Wind von da unten, der mit Hans Hennings Mütze über den Graben gesprungen war, brach auch hier oben ein, über die Backsteinmauer mit ihren dürren Efeuranken fort, durch die Stämme der alten Bäume. Er blies auch die letzte schwere Stunde dem einsamen Wanderer vom heißen Kopfe fort.

Nun weiß er wenigstens Bescheid, dachte der. Mag sein, daß es zwischen uns aus ist, aber eine schreckliche und jämmerliche Zukunft habe ich diesem Hause und den kleinen Kindern, dem kleinen Fritzel, erspart.

Als er zurückkam, stand Ludwig Dörfflin mitten in der Stube und sah so erhitzt und abgespannt aus, als habe er eben zu wohltätiger Körperübung über alle Stühle gesetzt.

»Morgen fahre ich nach Lanzow und sage ihr alles!« rief er dem Freund zu.