Er streifte den Zügel über eine Zaunlatte an der hölzernen Pforte und strich und drückte leise an dem Arm, um die Schmerzen etwas zu mäßigen. Es half nicht viel, es schien sogar immer grimmiger zu werden. Er hatte eine Anwandlung von Ohnmacht und lehnte sich gegen die Mauer.
Gregor kam, ihm war zu unruhig zumute, um lange in Krankenstuben auszuhalten. Da fand er seinen jungen Bruder an der Gartenmauer, er regte sich nicht, als er näher kam. Er hatte den Kopf etwas hintenüber angelehnt wie ein halb Ohnmächtiger, und Gregor sah trotz der Dämmerung, daß das Gesicht totenähnlich blaß war.
»Hans! Warum stehst Du hier draußen? Ist Dir schlecht, Junge?«
Hans Henning öffnete die Augen, mit einer großen Willensanstrengung sammelte er sich. Das große Schmerzgefühl innen und außen verzog seinen Mund, so daß er wunderlich fremd für den Bruder aussah.
»Hans, ist Deine Hand so schlimm? Komm herein!«
»Laß das!«
Mit einer Kraft, die in gar keinem Verhältnis zu der hilflosen Stellung war, in der Gregor ihn gefunden hatte, stieß er mit der gesunden Faust den Bruder zurück, der ihn anfassen wollte, um ihn zu geleiten.
»Denkst Du, ich gehe in Dein Haus?«
Er stand jetzt ganz aufrecht, und sein Gesicht fing an, wie im Fieber zu glühen.
»Rühr' mich nicht an! Viel haben wir nicht mehr miteinander zu tun. Weißt Du noch, im Sommer auf der Veranda? Herrgott, Mensch, da hast Du Dir wohl selbst den Weg freihalten wollen? So bist Du? So bist Du? Und ich Schaf, ich Esel, ich Narr! Natürlich – wenn der Hofprediger kommt – mehr als ich hast Du ja immer gegolten. Meinetwegen, nehmt doch dem Hans seine Blume weg, was braucht er eine Blume! – Du! Weißt Du, was heute passiert ist? Zwei Menschen hab' ich verloren, die mir die liebsten waren. Na, man immer zu, was macht das auch aus –«