Er ging zur Seite, wo das Pferd stand. Der körperliche Schmerz ließ ihn einen Augenblick taumeln, dann hielt er sich am Pferderücken und versuchte aufzusteigen.
Gregor hatte wie erstarrt gestanden, jetzt stürzte er ihm nach. »Hans, Du bist ja von Sinnen. Du darfst so nicht fort. Um Gotteswillen, Dir passiert ein Unglück, mein Junge. Sei doch nicht so außer Dir, laß uns über die Sache reden. Steige nicht auf, Hans, ich lasse Dich so nicht fort –«
»Du läßt mich nicht?« hohnlachte der andere. »Von jetzt ab wirst Du mir wohl nichts mehr zu lassen oder nicht zu lassen haben. Das ist vorbei, Bruder Pfaff!«
Die Wut spannte seine Sehnen. Er, der noch eben halb bewußtlos an der Mauer gelehnt hatte, flog mit einem einzigen Schwung in den Sattel. Dabei hatte er sich ohne Besinnen auf die linke Hand gestemmt. Ein wilder Fluch und Aufschrei entfuhr ihm, er riß den Zügel so heftig von der Latte, daß das Leder zerriß, das Pferd setzte in die Höhe und im Galopp flog es mit seinem verzweifelten Reiter davon. Noch von fern, auf der Dorfstraße hörte man hin und wieder einen kurzen, klingenden Ton vom Hufschlag.
Da stand der andere! Da stand er in seiner ganzen Herrlichkeit!
»Hans!« rief er noch einmal in die leere Luft.
Leer, still, tot. Tiefe, regungslose Winterstille hier, wo noch eben die wilden Worte brausten. War das noch einmal ein Hufschlag? Vorbei – – jetzt mußte er schon zum Dorfe hinaus sein.
Der wahnsinnige Junge! Es muß ihn jemand aufhalten! Wie sah er denn aus? Er stürzt ja. Aber wer will diesem Sturmritt nach? Nur für den Fall, daß er gestürzt ist und irgendwo liegt –
»He, Michael Krauthammer!«
Da hinten, wo die Dorfstraße weiter läuft, guckt ein altes Bäuerlein über den Zaun. Es ist taub und versteht nicht. Gregor winkt wie ein Rasender, da klettert es über die Latten und kommt gelaufen, daß der lockere Schnee an der Oberfläche in kleinen Ballen hinter ihm auffliegt.