»Sind da nicht Tappen vom Pferd? Ja, da ist er geritten. Aber wer kann's erkennen. Eine Laterne hast Du wohl natürlich nicht mit?«
»Wat sall ick hem?«
Schafskopf! dachte Gregor, aber er sagte es nicht laut, weil das nicht die geistliche Amtssprache ist.
Je weiter der Weg und näher das Ziel, um so steinerner und kälter wurde das Herz in ihm. Die rasch aufgefahrene Angst um den Bruder, die ihm wie mit eisernen Händen das Herz gepackt hatte, ließ nach, je mehr die Wahrscheinlichkeit eines Unglücksfalles sank. Er hörte auf, das Pferd zu peitschen und zu jagen. Als er durch das Schneetreiben die Lichter von Rummelshof sah, erwog er schon, ob er nicht umkehren solle. Was er wollte, hatte er ja getan: dem Hans auf die Spuren gesehen, ob ihm nichts zugestoßen sei.
Dennoch war die Beruhigung zu unsicher. Er konnte auf einem anderen Wege übers Moor geritten sein. So fuhr er weiter.
Es war nicht tot zu machen, daß er vor einer Stunde mit einer wahnsinnigen Angst im Herzen im Pferdestall des alten Krauthammer gestanden hatte. Gregor v. Zülchow hatte nicht viele Stunden wie diese gehabt, sie zuckte ihm noch im Blute.
Aber wer wenig Perlen hat, stellt sich um die, die er hat, auch ganz besonders gefährlich an. Gregor setzte den wilden Herzschlag, die tolle Fahrt, die Not dieser Stunde dem Bruder Hans dick unterstrichen aufs Konto. Da! das zahle Du mir erst mal wieder heraus!
So klapperte er auf seinem Bauernschlitten auf den Hof seiner Väter ein. Er fuhr auf den Laternenschein zu, der durch entlaubtes Gebüsch von den Stallgebäuden her kam. Da stand ein Knecht und rieb Hans Hennings Pferd ab.
»Na also –«, sagte Gregor nur. Er tat keine weitere Frage und wandte den Schlitten wieder um.
»Herr Pastuhr, Sei führen ja wedder rut!«