Plötzlich hielt sie inne. Sie fühlte es im Nacken, es stand jemand in der Tür. Mit einem Erbeben des Grauens kehrte sie sich um.
Da war er. – Schwarz, stumm, mit demselben eiskalten Gesicht von gestern, von der Dorfstraße her, mit einem geisterhaft schrecklichen Blick durch die Brillengläser. Er rührte sich nicht, er öffnete nur langsam die Lippen – er würde ihr antworten –
»Nein! Nein! Ich will nichts! Ich will nichts!« schrie sie wie von Sinnen. Sie sprang auf, der Stuhl fiel um, sie stolperte über eins der Holzbeine, die ganze Stube drehte sich, er mit, sie fühlte ein namenloses Entsetzen, wie einen Fall in eine unendliche Leere –
»Geh fort! Geh fort –«
Dann wurde es Nacht und stumm.
– – – Es stand niemand in der Tür. Nur die acht Fenster, von dem einförmigen grauen Weiß des sonnenlosen Schneetages gefüllt, sahen auf das bewußtlose Kind am Fußboden.
* * *
– Aber es kamen Schritte. Frau v. Pohle suchte nach Fritzchen. Sie hatte im Vorbeigehen Jakob gefragt, der kratzte sich im Kopf.
»Mit der ist wohl was los, gnädige Frau. Die guckte mich eben an, als ob sie ihren Klug nicht hätte. Am End' ist sie krank, sie ist wohl zu Bett gegangen.«
Im Bett war sie nicht. In der Schulstube war sie.