Es wußte es niemand, was in Wahrheit geschehen war, außer Frau v. Pohle – und vielleicht noch einem, wenn man es dem zufällig im Dorfe erzählte. Aber mit dem redet man doch nicht wie mit einem gewöhnlichen Menschen.
Frau v. Pohle sagte dem Doktor, daß Fritzchen gestern in Ohnmacht gefallen sei, eine unruhige fieberische Nacht gehabt habe und heute sehr matt und beängstigend teilnahmslos daläge. Sie sah auch den Doktor, dessen Assistent sie manches Mal im Dorf gewesen war, leer und gleichgültig an, erwiderte seine Begrüßung nicht und gab ihm keine Antwort.
»Laßt mich doch schlafen«, war das einzige, was sie in einer Art von müder Verzweiflung sagte.
»Sie muß einen kolossalen Nervenschok gehabt haben«, sagte der Doktor. »Sie haben keine Ahnung, gnädige Frau?«
»Nein, nein«, sagte Frau v. Pohle, aber so hastig, daß er ihr die Lüge von der Stirn ablas.
»Mit Vater – Schwester – es ist nichts passiert?« fragte er.
»O, nicht im geringsten.«
»Es wird sich augenblicklich nicht viel tun lassen«, sagte er. – »Sie muß sich gesund schlafen. Aber sowie sie wieder auf ihren Füßen stehen kann, muß sie eine Luftveränderung haben.«
»Jawohl, eine Luftveränderung!« rief Frau v. Pohle in lebhafter Zustimmung.
Na, da kann man sich's ja schon denken, Ihr Heimlichtuer! dachte der alte Doktor bei sich. Lieber Gott, menschliche Sachen. Zwanzig Lenze zählt das Wurm. Sowas geht vorüber.