»Und mal ein bißchen tanzen, Menschen sehen, Theater, Musik, all solch' ein Kram. Sie verstehen mich, gnädige Frau, sorgen Sie dafür.«

»Soviel ich kann!« sagte Frau v. Pohle.

Im Fortfahren dachte der Doktor: Ob es nicht der hochnäsige Laffe im Talar ist, der auch hier das Unheil angerichtet hat? Möge ihn der Teufel holen!

Der Fluch des kräftigen alten Doktors und das Gebet der feinen alten Dame schloß eine seltsame Verbrüderung. Es haben schon andere Throne gewackelt, als man sie niederbetete und niederfluchte. Denn auf Erden sind Mächte am Werk, die mächtiger sind als der Westwind über den Schneemassen.

Der Westwind ging um das Pfarrhaus und rüttelte an der Haustür und den Läden. Ein Reitpferd stand draußen angebunden, es war ungeduldig und stampfte, daß der Schmutz hoch aufspritzte. Ein Mann kam aus dem Hause in hohen Stiefeln, er ging durch den Garten, setzte sich zu Pferde und ritt davon. Nur der Wind war noch in der Straße. Er trieb den Regen durch die Luft und riß den letzten Schnee von den Bäumen.

Jawohl, es ist auch eine Lust, Schönheit zu zerstören! Der Wind löst die weiße Decke auf und stößt die phantastischen Kronen von den Mauerköpfen. Ihr habt genug bewundert! Hussa, merkt Ihr, wie es trieft, leckt, pfeift, klappert, und wie alle Herrlichkeit zufließt?

Der Pfarrer steht im Zimmer und liest einen Brief. »Mein Gregor, denke Dir, seit gestern ist Hans fort. Ich glaubte, er wäre zum Arzt geritten, es hatte sich mit seiner Hand so außerordentlich verschlimmert. Ich wartete ängstlich auf seine Rückkehr und schickte ihm dann einen Boten nach. Sein Pferd hat er eingestellt und nur dem Wirt – denk' Dir, Gregor, dem Hotelwirt! – den Bescheid für mich hinterlassen, daß er schreiben würde. Er war schon vorher so seltsam, sonst würde ich mich ja nicht ängstigen. Und dann der kranke Arm. Bei dem Arzt ist er gar nicht gewesen! Lieber Gregor, wenn Du Zeit hast, komm herüber. Laß mir durch den Boten sagen, ob ich Dir den Wagen schicken soll. Oder wenn Du Nachricht von Hans hast, gib sie ihm gleich mit.«

»Der Wagen soll kommen!« hatte Gregor bestellt.

Er kannte seine Mutter, sie hatte nicht gewagt, den gleich mitzuschicken. Was sollte er auch dort? Ihr sagen, daß er etwas mehr wisse, als sie – und daß auch er eine unbestimmte Angst in sich hege?

Aber er konnte drüben wohl noch Näheres erfahren, er konnte des wütenden Jungen Spuren verfolgen. Das würde nicht allzu schwer sein. Er konnte ihn in seinem sinnlosen Hinausstürmen aufhalten und ihm sagen: Du hast keinen Schmerz und keine Bitterkeit nötig. Was Du für meine Rechte hieltest, übergehe ich alles Dir. Und das Weitere besorge Du Dir selbst.