Sie fragte nicht. Ein kaltes Schauern ergriff sie. Nicht mehr daran denken! Schon wieder kam das Gefühl des Entsetzens über sie, das mit diesem Raum verbunden war. Da stürzte sie hinaus und zitterte an allen Gliedern. Es war vorbei für sie mit der Turmstube auf immer.

– Das Grausen verließ sie lange nicht. Sie konnte sich Gregor nicht anders denken als mit dem toten kalten Angesicht und dem Gespensterblick hinter den Brillengläsern. Sie zürnte ihm nicht, sie suchte nicht nach Erklärungen, und niemals, zu keiner Stunde, hoffte sie auf ihn und die Wiederkehr von Liebe und Glück.

Nichts – nichts. Sie graute sich nur. Diese Trennung war in Wirklichkeit auf Tod und Leben gegangen.

Aber sie wollte nicht fort. Nicht aus Liebe oder Hoffnung oder Kraft geschah das, sondern aus der großen Lähmung heraus, die diesen freigebornen und abgeschossenen Vogel befallen hatte.

Am Sonntag hörte sie die Kirchenglocken läuten. Gisela kam in Hut und Mantel herein, heute war sie die einzige aus der Familie, die ging.

War das erst der vorige Sonntag, als sie alle dort gewesen waren? Der Sonntag – das war erst eine Woche her –?

Fritzchen saß im allgemeinen Wohnzimmer. Sie staunte nur und dabei fror sie über und über trotz des warmen Raumes. Sie war in ein großes Tuch gewickelt. Wenn sie unter den anderen war, dann graute ihr nicht, nur allein mußte man sie nicht lassen.

Herr v. Dörfflin ging an ihr vorbei und streichelte ihr mit seiner breiten Hand über den Kopf. »Fritz, was ist's mit Dir? Wo tut's Dir weh?«

»Weh? Gar nicht«, sagte Fritzchen, verwundert über diese Frage.

»Du wirst hier gesund, ja? Du läufst nicht fort?« brummelte er weiter.