Im ganzen war es eine brillante Unterhaltung, leicht, graziös, mit geistreichem Geblitzel, wie immer, wenn Gisela regierte. Melitta Schultze war klug und lustig, sie sekundierte vorzüglich. Gisela war gar nicht hübsch, sie hatte ein langes kaltes Gesicht und einen verkniffenen Mund, aber sie verstand es so pompös, etwas aus sich zu machen, daß viele Männer schwuren, sie sei eine Schönheit.
Ein ganz klein bißchen feiner Klatsch lief zuweilen auch mit unter, aber nur wie ein Körnchen Paprika. Gisela verpfefferte ihre Gerichte niemals. Heute gab es eine wirkliche plumpe Neuigkeit.
»Der jüngste Zülchow ist verschwunden.«
»Ach! Was heißt das: Verschwunden?«
»Nein, in der Tat, mein gnädigstes Fräulein. Es sollen schon Nachforschungen angestellt sein, der Bruder hat auch bei seinem Regiment vergeblich angefragt.«
Man lachte darüber. Der eifrige Bericht klang so ein bißchen kindlich. Herr Leopold war mit seiner Neuigkeit hereingefallen und schämte sich.
Fritzchen hörte das alles mit an. Sie saß bald am Ofen, bald am Fenster, bald mit am Kaffeetisch. Sie sprach nicht mit, sie war blaß und ruhelos. Melitta versuchte ein paarmal, mit ihr zu reden, aber sie gab kaum eine Antwort, so traumhaft dumpf war ihr zu Mut. Die anderen beiden beachteten sie nicht viel. Herr v. Dörfflin hatte über Kopfweh geklagt und war fortgegangen.
»Was soll denn mit Hans Henning sein?« fragte sie plötzlich und blieb hinter einem Stuhle stehen. Die Frage klang wie im Zorn gerufen.
Herr Schultze sah sie beinahe erschrocken an. »Ach, jedenfalls nichts. So ein Streich, wie ein junger Mensch mal macht.«
Wie aus unendlicher Vergangenheit stieg das Bild des stürmischen Jungen vor ihr auf. Sie mußte sich erst wieder zurechtfinden. Der erste Klang aus der alten lebendigen Welt!