Nicht im Jammer der Reue soll das Kind sich vom Vater scheiden. Mit den jungen, heißen, lebendigen Lippen küßte sie die zerfallende Form.
»Papa, lebe wohl, mein lieber Papa.«
Es kam schon jemand, aber der störte jetzt nicht mehr. Leben und Tod hatten schon ihren großen Bund geschlossen und saßen friedlich Hand in Hand.
»Fritzchen –«, sagte leise die Eingetretene, Frau v. Pohle, »es ist Ihnen vielleicht nicht recht, aber Gisela hat gehandelt, ohne mich zu fragen. Sie meinte, es sei in der Ordnung, sie hat zu dem Pfarrer geschickt. Er ist schon hier und wartet.«
Es war Morgen geworden, obwohl draußen noch Finsternis lag. Sie sah im schwachen Lampenschein die dämmernden Züge. »Er versteht ja doch nichts mehr, ich werde den Pfarrer zurückhalten.«
Fritzchen sah zu ihr auf, sie ließ die sterbenden Hände nicht los. Ihr Gesicht hatte sich in diesem seltsamen Zusammensein verwandelt, es sah klar und groß aus. »Der Pfarrer kann kommen«, sagte sie.
Frau v. Pohle ging und holte ihn herein. Sie war beklommen und bange wie das Kind dort nicht war. Sie wußte auch nicht, ob sie recht oder unrecht tat, sie konnte jetzt nichts als den großen, stillen Augen gehorchen und ihren Willen tun.
Überall brannten Lampen, das ganze Herrenhaus war wie illuminiert. So hatte Gregor es gefunden, als er in eisiger Morgenfrühe den nächtlich dunklen Weg hinanging. Als ob es ihn zu einem hohen und strahlenden Feste grüßte.
Er wartete in Herrn v. Dörfflins Zimmer. Noch hing alter Zigarrenrauch im Raum, eine halbgerauchte Zigarre lag im Aschbecher auf dem Sofatisch. Welch eine Sprache dies alles führte!
Am Fenster stand Gisela und weinte. Seit er das Haus betreten hatte, war die Erschütterung übermächtig über sie gekommen. Es war wohl keine Spielerei, daß sie ihn gerufen hatte, wenn auch in ihrem tiefsten Winkel, wo die dunklen Motive lagern, solch ein Spielmotivchen vielleicht mitgefunden werden könnte. Aber sie hätte auch Pastor Baumann holen lassen.