Es war am heiligen Abend. Kalt, still und dunkel war das ganze Haus. Kein Christbaum, keine Lichter, nur die Dienstboten hatten sich Kuchen backen dürfen. Herr Schultze hatte in seiner unzarten Manier gedrängt, den Abend in seinem Hause mitzufeiern, aber Frau v. Pohle hatte für sich und die beiden Kinder voll Bestimmtheit abgelehnt. Herr Schultze konnte es sich jetzt schon gestatten, eine starke Verstimmung an den Tag zu legen.

»Gisa«, sagte Fritzchen, als sie beide allein im grünen Zimmer waren, »Du wirst den Sohn von da drüben heiraten sollen.«

Gisela bedeckte ihre Augen mit der Hand. Sie fühlte alle diese Tage selbst eine Qual und Empörung über den Zwang, der sie in etwas hineinreißen wollte, was sie, als freie Gnade zu vollziehen, noch gar nicht entschlossen gewesen war.

»Sollen?« erwiderte sie. »Man wirbt um mich, das ist gewiß.«

Ihre Art war erkünstelt, sie hätte gern Kälte und Hoheit gefühlt und gezeigt. Aber sie fühlte nur die entsetzliche Frage: Wenn nicht – was dann?

»Tu es nicht!« rief Fritzchen.

Sie stand auf, setzte sich zu ihr auf das Sofa und schmiegte sich an sie.

»Gisa – fort müssen wir ja nun beide. Hier ist's nun wohl aus. Wie es wird, weiß ich nicht. Aber geh nicht zu den Schultzes!«

Matt – nicht heftig und ohne sich von ihr loszumachen, entgegnete Gisela: »Ach, Frida, Du verstehst ja nichts. Du siehst nur den Augenblick, nicht das weite, lange Leben. Wenn alles geordnet sein wird, werden wir ein paar arme Mädchen sein, Fritz.«

»Ja. Laß das doch. Was schadet es? Wir sind ja gesund. Andere Mädchen haben auch kein Geld. Besser, als aus Not und Angst irgend einen reichen Mann zu heiraten, ist das doch immer noch.«