Es ist keine Zeit da für andere Dinge. Unsere Wünsche, unsere Sehnsucht, unsere Schmerzen verstummen alle vor dem großen klaren Gesicht des Lebens.
Das war die große Befreiung, die für diese arme Seele gekommen war. Nun brauchte sie keine Erfüllung mehr, noch Schutz, noch Hilfe, noch Trost. Sie hatte das Entsetzen verloren, nun sah sie in reinerem Licht unvergänglich und unverlierbar den wieder, dem ihr Herz seine junge starke Liebe gegeben hatte, jene stolze Liebe, die unabhängig ist vom Ja und Nein der Tatsachen, vom Echo des eigenen Schalls.
Sechzehntes Kapitel.
Es ging mehr als ein Jahr herum.
Auch in der eisigklaren Region des Weltüberwinders, der in sich das Herz erfrieren ließ, um der Schmerzen spotten zu können, gab es noch Stufen der Entwicklung und Klärung.
Wohl ist die Askese stark wie süßer Wein, aber Rausch ist nicht Wirklichkeit, und nur die Wirklichkeit befreit.
Pfarrer Gregor hörte auf, sein Leben hier auf dem Dorfe als seinen Zweck und Abschluß anzusehen, wie man aufhört, Arznei zu trinken, wenn die Gesundheit kommt.
Er war ein ungenügender Dorfprediger, das Volk verhungerte bei seiner nutzlosen Mühe. Sein Weg im Leben lag wo anders, da wo er seine Gaben und Kräfte in Wahrheit nutzbar machen konnte. Er arbeitete an einem Werk, das ihm die Professur einbringen würde, wie er, gestützt durch seine Verbindungen, ziemlich sicher annehmen konnte.
Es war ein kühles, frisches Arbeiten. Er war erlöst von der Zwiespältigkeit in sich, von der Welt der Leidenschaften, von Liebe und Haß. Er stand, abgelöst von der Welt, wie ein hoher Berg mit Schnee auf dem Gipfel. So hatte er seines Wesens Art gefunden.
Da kam ein leuchtender Septembertag. Gregor hatte fast die ganze Nacht gearbeitet, bis zum Morgen ein halb Fünf, als es schon hell zu werden begann. Da war sein Werk fertig und vollendet!