»Steh still! Steh still!« rief der von weitem. Nun ja, er stand ja schon lange still. »Laufe doch nicht so! Ich warte ja!«

Es stand ein alter Weidenbaum am Feldweg, der war von oben bis unten aufgeschlissen, und die Hütekinder spielten darin Verstecken zur Sommerszeit. Es war an diesem Weidenbaum, daß sich die Brüder trafen.

»So bist Du jetzt zurück, Hans?«

Hans Henning war rot im Gesicht wie gesotten und er mußte nach Atem ringen, da er still stand. Er war sehr verändert, mager und verbrannt. Das Haar war lang gewachsen, und um den Mund hatte er einen wunderlich wilden Zug. Gregor sah auf die linke Hand, die so seltsam niederhing. »Hans, was ist mit der?«

»Lahm geblieben von damals her. Rede nicht davon, ich habe andere Dinge vor.«

»Hans, wir wollen uns doch erst begrüßen.«

»Jawohl!« rief der andere überlaut in einem unheimlichen Ton. »Ich will Dich schon begrüßen, aber nicht mit Händedruck. Sage mir – wo hast Du Dein Weib?«

»Mein Weib?«

»Wo hast Du Dein Weib – – Schuft! Bin ich darum im Jammer in die Welt gerannt als lächerlicher elender Liebhaber, dessen Schatz schon einem andern gehörte, daß ich nun wiederkomme und finde sie als Dienstmagd wieder, in einem Loch von Stube – und der edle Herr, der sie geküßt hat – – Gregor, mit welchem Recht hast Du sie geküßt?«

Gregor trat einen Schritt zurück, seine Augen wurden nach dem ersten Aufleuchten wieder um einen Schein kälter. Was warf sich ihm hier von neuem in seinen Weg?