»Lieber Fritz, so komme doch endlich wieder und stelle Dich nicht an wie eine alte Jungfer.

L. D.«

Dann steckte er den Brief in einen Umschlag, aber schickte keinen Boten damit ab, sondern lauerte selber dem Briefträger auf, damit das alberne Gesinde nicht mit ansähe, was er für ein weichherziger Narr war.

* * *

Hätte Fritz v. Zülchow das kleine mutige Ding im offenen Kleidchen und mit seinem Struwwelköpfchen an des Vaters Bett gesehen, so hätte er wahrlich nicht geschrieben, wie er schrieb.

»Lieber Lutz! Du begreifst, daß Du durch Deine Auffassung von Deiner Würde und Deines Hauses Würde, die mich auf das schmerzlichste überrascht hat, einen so dicken Strich zwischen Dich und mich gezogen hast, daß er nicht so einfach, wie Du meinst, übersprungen werden kann. Es müßten andere Dinge geschehen, ehe ich wieder meinen Fuß über Deine Schwelle setzen könnte oder Dich bitten könnte, in mein Haus, in die Nähe meiner Frau zu kommen. Nimm die aufrichtige Versicherung meiner tiefen Betrübnis über diese Lage der Dinge.«

Herr v. Dörfflin wurde fahl, als er dies las. Er fiel in den Stuhl vor seinem Schreibtisch nieder und starrte vor sich hin. Es wühlte, es wühlte in ihm, daß er bebte.

Ja ja – er hat schon recht. Es ist vielleicht so. Ich hätte es auch nicht getan, früher –

Fritz – so ist's mit uns geworden – –

Er stand auf, schleppte sich durch die Wirtschaft. Die Knechte rissen die Mützen ab, als er vorüberging, er sah (zum ersten Male beachtete er das) einen heiligen Schrecken vor sich her fliegen. Das half ihm, das hob seinen jämmerlichen Mut.