»Gisa« –, sie wollte sich der an die Hand hängen, die schüttelte sie ab. »Laß das!« Möglichst, als kenne sie das Fritzchen gar nicht, habe es nie mit Augen gesehen, so tat sie.

Da stand eine große, feine, stolze Dame. Sie begrüßte Fräulein Miller, die einen tiefen Knix machte, und reichte den Mädchen die Hand. Fritzchen blickte auf und vergaß alle Verzagtheit. Sie sah aus wie Gregor.

»Wo ist Gregor?« fragte die schöne, stolze Frau.

»Oben in seiner Stube, Mama. Er wird wohl kommen.«

»Nun, Ihr kleinen Fräulein, so richtige Spielgefährten kann ich Euch hier gar nicht geben. Aber Hans Henning hat sich schon sehr auf Euch gefreut, er wird sich nach Kräften bemühen, Euch gut zu unterhalten.«

Und so weiter, was eine liebenswürdige Frau eben so hin sagt, wenn ein paar kleine Mädel vor ihr stehen, die ihretwegen ebenso gut hätten fortbleiben können. Aber es war ihres Fritz letzte Bestimmung, das Haus mit diesen Dörfflins zu belasten. Was sie so hin sagte aber kam als lieblichste Musik in Fritzchens Ohren an. Als ein Klingen und Tönen aus einer anderen Welt. Lag nicht hier ein Hauch, ein Duft über allem? O – so schön hatten doch alle Träume ihr dieses hier nicht gezeigt.

Waren dies Tassen aus Porzellan? War dies Schokolade? War dies Kuchen, den eine derbe Küchenfaust gerührt und geformt hatte? War dies ein Tisch aus Holz? Ging man hier überhaupt, wie man anderswo geht? Klang, leuchtete, stand und bewegte sich hier nicht alles unter ganz anderen als den irdischen, gewöhnlichen Gesetzen?

Aber unter welchem Gesetz stand das Fritzchen, als es die überirdische Schokolade auf die buntgestickte Decke schwippte? Nun – das ging keineswegs anders. Wie kann das Fritzchen unter einem solchen Ansturm der Gefühle auch ihre Tasse gerade halten?

»Fritzchen!« Armes Fräulein Miller, arme Gisela! Es ist auch unangenehm, immer an solchen Unband gekettet und für ihn verantwortlich zu sein.

»Was das wohl tut!« sagte Hans Henning ungeheuer verächtlich und warf mit der Miene eines Großfürsten seine Serviette auf den Fleck. »Nun brauchst Du es nicht mehr zu sehen, Fritz.« Im Grunde fand er es reizend, daß sie immer noch ihre Tasse übergoß.