Der Glanz dieser, seiner Welt umfloß auch Hans Henning. Sein rotblondes Haar, militärisch verschnitten, seine kurze aufgeworfene Nase, seine unverschämt lustigen Augen – alles war mit von dem Zauber umsponnen und verklärt. Auch er war ein Held, aber natürlich einer niederen Grades. Gregor und die Mutter – die, ach die – –
Es kam ein Schritt, vor dem zitterten zwei dumme kleine Mädchenherzen. Auch Gisela wurde rot vor Erwartung und Bängnis. Ach sie war auch nur ein armes, sehnsüchtiges Kind, mit der Last ihrer vertrauerten Jahre – daran änderte das feinste Kleid und der herbste junge Mund nichts.
Was hatte man von diesem Gregor? Er ging umher, warf ein paar Bemerkungen hin, wie sie ihm gerade kamen, und ließ die kleinen Mädchen aus Hohen-Leucken danach springen und damit zurecht kommen. Hatten wohl je blaue Augen einen kälteren Blick? Und um diesen war man drei Stunden gefahren und hatte lange Monate hindurch auf das Moor gesehen!
Was tut es? Er ist doch schön und gut!
Fritzchen, Du kleiner Affe, was tust Du da in der Ecke? – Nein, das sagt man nicht. Sie hat eben den Schatten ihres Helden, den er im Schein der großen Stehlampe da hinten an die Wand geworfen hat, mit spitzem, übermütig seligem Mündchen ganz flüchtig geküßt.
Hinten in einem großen Zimmer steht der Weihnachtsbaum, er ist nicht bunt wie sonst. Nur Lichter, ein wenig glitzernde Schneewatte und Eiszapfen schmücken ihn. Frau v. Zülchow mag ihn nicht gern sehen, aber sie hat ihn doch für ihre Jungens, vornehmlich für den »noch so kindischen Hans« zurecht gemacht. Gregor hätte wohl nicht so viel darnach gefragt. Gerade in seiner ernsten Pracht wirkt nun der Baum um so stärker auf die beiden Schwestern.
Was ist es nur für ein wunderbares Erleben, das jede neue Minute bringt!
Hans Henning zeigt ihnen allerhand Geschenke, die herumliegen und noch nicht fortgenommen sind. Es gibt nichts Interessanteres als das. Jawohl, es sind ja auch Schlipse, Krawattennadeln, Zigarren, große unverständliche Bücher und lauter Dinge, die von Rechts wegen so ein Fritzchen angähnen müßten. Aber alle sonstigen Berechnungen stimmen nicht mehr, wenn man schon spitzbübisch den Schatten an der Wand küßt.
Das sollte der Gregor wissen! Fritzchen sah ihn von der Seite an, und plötzlich, aus dem Verborgenen, fletschte sie ihm die Zähne entgegen. O diese Lust, diese Lust, solchen Triumph über ihn zu haben! Sie suchte immer wieder mit den Augen seinen Schatten, den alten Bekannten aus der Ecke. Ja, ja, er glaubte, das wäre seiner, und er ahnte nicht, was der für Streiche hinter seinem Rücken trieb!
Alle Abende war hier ein Familienstündchen Mode. Frau v. Zülchow saß im Zimmer bei verhängter Lampe, ihre Jungens bei ihr (früher hatte ihr Fritz nie gefehlt), und sie sprachen miteinander, wie sie es sonst im Treiben des Tages nie konnten. Besuche unterbrachen dies Familienstündchen, aber die Hohen-Leuckener Kinder und ihre Gouvernante galten kaum als Besuch, darum konnten sie daran teilnehmen.