Das Zimmer der Baronin im gedämpften Licht des gelben Lampenschleiers erschien Fritzchen wie ein Märchentraum. Es war ein lieber, wohnlicher und auch gut ausgestatteter Raum, mit schönen hellen Möbeln, Pflanzen, Kunstwerken und Teppichen, jedes gute Haus hat wohl seinesgleichen. Das konnte das Fritzchen nicht wissen. Sie kauerte auf einem Schemel, sah die Freifrau an, die an dem kleinen Kamin saß und von dem flackernden Feuer magisch beleuchtet wurde, und sie glaubte, diese Stunde sei die schönste und die stolzeste ihres Lebens, wenn auch ihr kleines Persönchen so viel wie gar keine Geltung in dieser Stunde hatte.

Fräulein Miller unterstand sich auch nicht recht, etwas zu sagen, sie saß irgendwo im Dunkeln. Für Gisela hatte Gregor ein Sesselchen an den Kamin gerückt und stand daneben. Hans Henning lag wie ein junger Jagdhund seiner Mutter zu Füßen.

Gregor redete viel kluges Zeug. Ach, er tat seinen stolzen Mund auf, und das Fritzchen hörte von da an nur noch Töne – kaum Worte. Aber auch das war schön. Eines merkte auch ihr zerfahrener kleiner Kopf: die schöne, feine Mutter dachte sehr hoch von Gregor, ihr Ton war ein ganz anderer, als wenn sie zu Hans Henning sprach. Den tat sie oft ab, wie man eben einen täppischen Hund abtut, den man im übrigen aber sehr gern hat.

»Ach – Hans« darin war immer so ein bißchen liebevoller Spott. Was der Junge doch immer für Unsinn treibt – so ähnlich. Dagegen:

»Ja Gregor. Meinst Du nicht auch – wie denkst Du darüber –«

Dann kamen große Fragen, die man sonst nur im Katechismus lernt. Ach ja, es war ein gar wunderbares Gespräch!

Einmal sagte Gisela etwas. Mitten hinein! Ach, daß sie solchen Mut hatte! Es war aber schön von ihr. Von der Notlüge, und daß die ihre Berechtigung habe. Aber da sagte Gregor:

»Nein, Fräulein v. Dörfflin, sie hat niemals Berechtigung!« Und darnach sprach er noch weiter und sehr viel in sehr hartem Ton. Frau v. Zülchow wollte mildern, aber er widersprach auch ihr. Einmal bewegte er sich dabei, so daß der Feuerschein auf sein Gesicht fiel, es sah aus wie aus Stein gehauen.

Er sagte, jede Lüge sei ein Mangel an Stolz und Kraft, er würde sich vor sich selber schämen, wenn er, sich aus seiner Not zu ziehen, zu solchem feigen Mittel greifen würde.

»Aber um andere aus der Not zu ziehen?« fragte die Baronin sehr leise.