Ihr Sohn entgegnete ihr hart: »Auch um der Not anderer Leute willen lasse ich mich nicht zerbrechen.«
Noch viel leiser sagte sie: »Gregor – das tote Prinzip und das lebendige Leben! Vielleicht – nach zwanzig Jahren – der Gang über diese Erde ist weit und lang – –«
Es klang so rührend und weh, wie sie sprach, es drang durchs Herz. Aber Fritzchens Herz empörte sich und rief ihren Helden an: Gregor, steh' fest! Was Du einmal gesagt hast, soll gelten! Laß Dich nicht rühren!
Freilich, Helden lassen sich auch nicht rühren. In diesem, in Fritzchens Sinne, war Gregor auch wahrlich ein ganzer Held. Er stand fest, er ließ nicht ab, er antwortete mit heller, klingender Härte.
Was – darauf kam es für Fritzchen nicht mehr an. Sie glühte, sie bebte, sie verschrieb sich diesem Stolzen, Harten, Eiseskalten mit Leben und Blut.
»Ich werde nie wieder lügen – und ob mein Leben oder das Leben anderer Menschen (sie dachte in diesem Moment an Gisa und Fräulein Miller) davon abhängt.«
Diese beiden waren sehr ahnungslos, daß eben ein feuriges Gelöbnis abgelegt wurde, das unter allerhand wunderbaren Umständen ihnen das Leben kosten konnte! –
Dann ging auch dieser Abend zu Ende, und dann kam die lange, lange, traumesheiße Rückfahrt, mit dem Mondschein auf den Wegen und auf der leichten trügerischen Schneedecke des heimatlichen Moores.
Viertes Kapitel.
Gisela saß beim Pastor und sagte: »Bitte, reden Sie doch einmal mit Papa, daß er mich Ostern in eine Pension gibt. Ich werde im April fünfzehn Jahre, und Sie meinen doch auch, daß ich einmal fortmüsse.«