Da begriff sie plötzlich, was Geld eigentlich sei. Wie eine neue, unheimliche Macht drängte das in ihr Leben. Geld! Soviel auf einmal! Hundert Mark, zweihundert Mark wie für nichts. Und Papa war so bleich geworden, biß an seinem Schnurrbart und hatte verstörte Augen.
Waren sie denn nicht reich? Sie hatten ja solch großes Haus, Hof und Äcker, mehr als zwanzig Pferde und all das Rindvieh und die Schweine. Dazu Kutschen, Knechte, Mägde und waren im ganzen Dorf als die Herren geehrt. Für ein einziges Schwein bekam Papa mehrere hundert Mark, also was war eigentlich dabei?
Aber der dunkle Geist war angerufen und drückte ihr auf der Brust, flog an dem Turmfenster vorbei, wenn sie nach den Wolken sah, vergällte ihre Träume.
Einmal sprang es aus ihr heraus. Papa las gerade die Zeitung, und ein Brief von Gisa war gar nicht einmal in Sicht. Fritzchen saß vor ihrem Kakaotäßchen, aber sie mochte nicht trinken.
»Papa!«
Es war mehr ein Anfahren als eine Frage, er war in letzter Zeit etwas nervös geworden, dieser Herr. Sah er denn nicht, daß sein Kind mit ihm reden wollte? Was hatte er von der Zeitung? Er war ja doch nur ein halb verkommener alter Landjunker, was hatte er noch mit Politik zu tun oder der Welt da draußen? Sie hatte ja mit ihm auch nichts zu tun. Aber sein braunäugiges Kind, das wartete noch auf ihn.
Das junge Herz so einschüchtern, daß es nicht wieder kommt, das wäre vielleicht für beide Teile das Beste.
»Was willst Du? Was stierst Du mich an?«
»Papa – ich meine nur – nicht wahr, wir haben doch sehr viel Geld?«