»Nichts, Fritz.«

Nichts. Der Fritz wird langsam ernst und seine Blicke werden verwirrt. Was weiß ein siebzehnjähriges Geblüt von dem Nichts, in das ein armseliges, verloddertes Leben versinkt?

Fräulein Miller war nicht mehr da, ihr Amt in diesem Hause war beschlossen. Sie war nie eine liebenswürdige, weitherzige Gefährtin gewesen, aber nun fehlte sie Fritzchen doch. Sie sollte ja nun vollständig erwachsen sein. Ach, dieser Wirrkopf hatte wohl noch manches Jahr vor sich, ehe man ihn für erwachsen nehmen konnte.

Also sprach auch Fräulein Gisela. Sie hatte hier keine Freude an dem klappernden Jakob, an Zigarrenrauch und Wolken. Sie nahm Anstoß an allem, besonders auch an Fritzchen. Es verging kein Tag, an dem sie nicht um die versunkene Herrlichkeit klagte.

Wie fein war sie geworden! Ja, sie hatte schon Grund, hier unzufrieden zu sein. Ihre kühlen, schlanken Hände waren so weiß, ihr blondes schlichtes Haar hatte durch sorgsame Pflege einen sanften Glanz erhalten, auch verstand sie, sich prächtig zu frisieren. Alle ihre Kleider hatten einen eleganten Sitz, ihre Bewegungen, ihre Sprechweise waren klar, vornehm und ruhig. Was war dagegen der Struwwelkopf aus der Turmstube?

Fritzchen bewunderte dies feine, sichere Wesen. Ach, wer jemals so werden könnte! Aber das zu wünschen, war wohl hoffnungslos. Der schlimme Winter saß noch wie brennendes Gift im Blut. Aber nun kam der Sommer über das Moor.

Wißt Ihr denn, wie der Sumpf blühen kann, Ihr Stadtmenschen, ihr Lampenmenschen! Wie es sich da liegt, da hinten in der Lichtung hinter dem alten Graben, wo man sich im Gras verstecken kann, so hoch steht es. Kennt Ihr das Zirpen und Schwirren und tausendfache Leben um einen her, und die Sonnenstrahlen flirrend durch die Zweige?

»Gisa, willst Du mit an den alten Graben?«

»Was willst Du da?«

»Im Gras liegen. Seerosen bring' ich auch mit.«