Förmlich strahlend vor Prahlerei betrat das blessierte Fritzchen wieder den hellen Bannkreis der Gesellschaft. Gregor kam zu ihr, bedauerte sie, daß sie um seinetwillen leide, faßte ihre Hand und berührte mit den Lippen die freie Stelle oberhalb der Verbandlappen. Da wurde das Glücksgefühl so übermächtig in ihr, daß sie am liebsten die Arme ausgebreitet hätte und ihm um den Hals geflogen wäre.
* * *
Eine lange Rückfahrt im stockdunklen Wagen durch die graue Sommernacht, die eintönig auf den weiten Feldern lag, nur am Rande in dämmernden Strahlen umspielte das Sonnenlicht, das um diese Jahreszeit nie ganz verlischt, den Horizont.
Man hatte die große Kutsche genommen, weil Gisela bei der Fahrt durch den Wind Haar und Toilette geschont haben wollte. Nun sah man nur durch die Glasfenster die grauen Felder vorübergleiten. Fritzchen saß auf dem Rücksitz; sie hätte ihren heißen Kopf gerne draußen in der kühlen Nachtluft gebadet, aber auch daß sie dies nicht konnte, bedrückte sie heute nicht. Sie nahm den Hut ab, lehnte den Kopf in die Ecke, und so zurückgezogen ins Dunkel, hörte sie, was Frau v. Pohle und Gisa miteinander sprachen.
Frau v. Pohle sagte: »Welch ein eigentümlicher frühreifer Mensch dieser älteste Sohn ist!«
Gisela fragte, ob er ihr gefiele. In der Betonung der Frage lag schon die Annahme, daß jeder unbedingt Ja sagen müsse. Aber Frau v. Pohle zögerte.
»Gefallen? Liebe Gisela, ich möchte das kaum sagen. Es ist mir zu wenig Einfachheit und Lebensfrische an diesem jungen Menschen. Er kommt mir vor, wie ein künstliches, wunderschönes Gebäude aus Eis, das aber nur in einer Eisatmosphäre existieren kann. Vor der Sonne müßte er schmelzen.«
Fritzchen fuhr auf, doch Gisela nahm ihr schon das Wort aus dem Munde.
»Aber Frau v. Pohle! Er hat doch so viel Sonne um sich. Seine Mutter, seine Freunde –«
»Nein, mein Kind, das ist nichts, das durchdringt seine Atmosphäre nicht. Es ist eine seltsame Tragik um diesen jungen Pfarrer, aber freilich fühlt er sie selber wohl am wenigsten.«