Sie hatte auch bei ihrem letzten Ruf aufrecht gestanden in der Kutsche, aber das Rad fuhr über einen Stein, da fiel sie unrühmlich auf ihren Sitz. Das machte nichts aus. Sie gab noch einen flammenden Satz dazu:

»Ich verlache jede Beschuldigung über ihn!«

»Aber Fritzchen! Wie ungezogen!« rief Gisela entsetzt. »Wie kannst Du so zu Frau v. Pohle sprechen! Da sehen Sie wieder, wie sie ist!«

»Lassen Sie doch, Kind«, sprach Frau v. Pohle. »Liebes Fritzchen, ich habe nicht gedacht, Ihr Herz zu kränken. Um Gott, Kind, nein. Sehen Sie einer alten Frau solche Gedankenspielerei nach. Das Leben wird ja erst beweisen, was richtig und was barer Unsinn an meinem Geschwätz war.«

»Aber wie kannst Du Deine Neigung so ausschreien!« rief Gisela, noch immer aufgeregt vor Entrüstung. »Das tut man doch nicht. Du blamierst Dich ja grenzenlos, Frida!«

»Was kümmert's mich!« entgegnete Fritzchen trotzig.

Frau v. Pohle dachte: Jawohl – Dich, starkes, junges Herz, kümmert's in der Tat nicht, ob Du Dich blamierst. Das ist das zweifelhafte Vorrecht derer, die Dich tadeln. Glückauf, Du freie Menschenseele!

Aber sie sagte das nicht. Für alle ihre Predigten war ihre Zuhörerschaft in der dunklen Kutsche doch noch nicht reif genug.

Behalte Du nur Deinen Gregor! dachte sie ohne Sorge, solange wie Dein Herz dieses Bild tragen mag, Du schönes, wildes Kind. Ich traue: eines Tages siehst Du Dich verwundert um, wo es geblieben ist.

Siebentes Kapitel.