Hans Henning schoß das Blut wild ins Gesicht.
»Was meinst Du damit? Ich lasse nicht an ihr rühren.«
»Wer tut denn das?« sagte Gregor nachlässig. »Meinst Du etwa, sie sei kein Kind mehr? Verstehst Du Dich so wenig auf Menschenaugen? Bei diesem Mädchen ist alles noch Klarheit, Harmlosigkeit und ein vollständiges Spielen dem Leben gegenüber. Ich spreche das nicht als Tadel aus, sondern nenne es einen Vorzug.«
»Ich habe das auch schon gedacht«, murmelte Hans. Da stand er ja mit einem Male mitten in Frage und Antwort, Bitte und Rat, wie er es sich noch vorhin so sehr gewünscht hatte. Nur daß es nicht die Mutter war. Aber vielleicht wußte Gregor noch mehr von diesen Dingen.
»Ich dachte sonst – ich wollte morgen, vor der Abreise –«, stotterte der große Junge. »Ich will ja auch gar nichts an ihr zerstören, Gregor. Ich will ihr gar nicht viel von Liebe vorschwatzen. Nur wissen – ob sie mein Kamerad sein will – diese Ungewißheit, Gregor, die ist ja zu gräßlich –«
Gregor wandte sich ab und ging mit starken Schritten zweimal die Veranda auf und nieder. Dann blieb er vor Hans stehen, und als er sprach, klang seine Stimme wie geschliffener Stahl.
»Ihr seid beide noch Kinder. Durchbrich diesen Zustand nicht aus Übermut. Du schadest ihr und Eurem ganzen Verhältnis, Du veranlassest sie, sich zu verschenken, ehe sie sich kennt. Glaubst Du nicht, Hans, daß das eine Sünde an ihrem Geist und Wesen ist? Lerne warten, mein Junge, überlaß diese Sache der Zeit, bis die Blumen von selber aufbrechen.«
»Ist das so –?« stotterte Hans.
»Ja, Hans Henning, das ist so!« sagte Gregor.
Sein Ton legte sich wie eine eiskalte Hand dem Jüngling aufs Herz. – Hatte er vielleicht doch nur nach Hilfe verlangt, um die Antwort zu hören, die er wünschte?