Oder ahnte sein erwachtes Herz das Schwert in des Bruders weisem und wohlbegründetem Rat? Seine Lippen bebten, als er sagte: »Ich danke Dir. Ich will jetzt schlafen gehen!«
Er ging. Die Sporen klirrten leise. In dem erleuchteten Zimmer sah er im Spiegel sein Bild vorübergleiten. – »Überlaß es der Zeit –«
Vielleicht hat er recht, und ich handle verrucht, seine Worte zu verachten. Vielleicht bin ich ein Narr, wenn ich es nicht tue. Ich bin nicht weiter als zuvor.
Überlaß es der Zeit!
Ja, Du kaltes Herz, Dir steht es wohl an, so zu sprechen. – Aber hat ein heißes Herz mehr Recht und weiteren Blick?
Das wird heute eine friedvolle Nacht!
Gregor stand noch draußen. Das Gewitter hatte sich verzogen oder war landeinwärts niedergegangen. Es blitzte nicht mehr. Nur ein leichter Regen, durch den Wind hin- und hergetrieben, sprühte durch die Bogenöffnung der Veranda und tanzte oben auf dem Glasdach. Die Luft war stark abgekühlt.
Er stand eine kurze Weile und sah hinaus. Noch lagen seine eigenen klingenden Worte ihm im Ohr. »Überlaß es der Zeit, bis die Blumen von selber aufbrechen.«
Als er nach oben kam, fand er die Verbindungstür nach Hans Hennings Schlafzimmer geschlossen. Der Knabe grollt, dachte er, weil ich ihm sein Spielzeug fortnahm. Aber es ist nun einmal so. Ich tat recht, den Fuß darauf zu setzen. Das alles muß erst werden, und die Zeit ist mächtig. Gute Nacht, mein trotziger Junge, es kann sein, daß wir uns noch einmal an dieser Stelle treffen.