Vielleicht! Wer weiß es?

Er legte noch die letzte Hand an seinen Koffer. Den Rock, den er heute getragen hatte, zog er aus und packte ihn dazu. Dabei nahm er seine Brieftasche heraus und öffnete sie. Nur eine Kerze brannte auf dem Tische. An die Fenster trieb der Regen und die seitwärts geschlossenen Läden klapperten im Wind.

Gregor trat an das Licht und sah auf das Mädchenbild nieder, das er in Händen hielt. Es war ein feines Gesicht mit nervösem Mund und großen Augen: Prinzessin Maria, sie hatte es ihm selber geschenkt.

Nun beginnt das wieder! dachte der junge Pfarrer. Ja, die Erde ist weit, und wir haben Zeit zu vielen Dingen. Aber sie sollen mir alle dem größesten dienen!

* * *

Hans Henning hatte nicht aus Groll und Trotz die Verbindungstür zugemacht. Aber er empfand ein unklares, quälendes Gefühl der Furcht dem Bruder gegenüber, ein eisiges Widerstreben und Ablehnen, das er früher nie gekannt hatte. Eine Art Mißtrauen, das er sich dennoch nicht erklären konnte. Es wäre ihm fürchterlich gewesen, ihn heute noch sehen oder sprechen zu müssen.

Aber was nun weiter? Er hat gesprochen wie einer, der die Menschen und Dinge kennt. Ach ja, er wußte immer von jeher Bescheid.

Tue ab diesen miserablen Wust eigenen Wünschens und Parteinahme für Dich selbst! sagte Hans Henning zu sich und drückte die heiße Stirn an die beregnete Fensterscheibe. Mach's gefällig ein bißchen klar in Dir, oder Du bist ein Hund! Es kommt hierbei doch auf das Wohl, das Glück und die Seele meines kleinen Fritz an – sonst auf nichts. Und warum wollte ich sie fragen? Um mich zu beruhigen!

Also gut. Gregor hat recht. Gregor hat recht. Ganz egal, wie's mir eingeht oder einleuchtet, Gregor und die Vernunft haben recht.

Ach ja. Man muß auch manchmal Steine auf der Brust haben, das wird wohl nicht anders gehen.