Ich reite also morgen früh nicht. Nein – nicht. Laß es doch brennen.

Nein, jetzt nicht wieder anders denken. Ruhe!! Ich reite nicht.

Aber eins kann ich doch noch.

Er ging an einen alten Sekretär, schloß ihn auf, und aus dem hintersten Geheimfach, das wohl sonst schon Gott mochte wissen, welchen Familiengeheimnissen gedient hatte, holte er ein altes, verblichenes Kinderbildchen hervor. So hatte der Fritz ausgesehen, als er ihn zum ersten Male sah.

Hans hatte das Bild in einer Rumpelkammer auf Hohen-Leucken gefunden und ohne Gewissensbisse gestohlen. Wie zärtlich er es liebte! Es war sein kostbarster Schatz.

Die Augen sahen etwas trotzig und düster drein. Es war dem kleinen Kopf wie eine arge Zumutung erschienen, sich so dem Photographen hinzustellen. Sogar der süße Kindermund schien leise zu zucken. Das Hälschen, die runden kleinen Arme waren bloß, ein einfaches schottisches Kleidchen hing bis auf die Knie nieder.

»Damals hast Du die Tasse auch schon übergeschwappt, Fritz!« sagte Hans Henning.

Er küßte das liebe kleine Bild.

»Leb wohl, mein Liebling. Du mußt noch ein bißchen wachsen. Hörst Du, Unband, wachse schnell. Sonst halte ich das Warten doch nicht aus.«

Tür an Tür waren sie miteinander, und jeder hielt ein Bild. Der Hans mit seiner einzigen armen, starken jungen Liebe, dieser Hans, der nicht warten konnte, der mit seiner wilden, herrlichen Ungeduld rang wie mit einem durchgehenden Pferde – und der andere, der durch Blumenbeete ging und zu den Knospen sagte: Blüht nur erst auf, dann werden wir sehen. Es ist Zeit da zu vielen Dingen – –