Der Gregor, ein langer, feiner, blonder Junge, wollte wohl antworten, aber der Wind riß ihm die Worte vom Munde ab und hätte beinahe auch noch die Nase mitgenommen. Es war eine stolze Nase – um die von Hans Henning wäre es nicht so schade gewesen.
»Vater, das ist ein Wind!« prustete er nun bloß.
Ja, der Wind, der war schon etwas für deutsche Jungens, die sich von ihm fünf Meilen lang im offenen Wagen um die Ohren pfeifen lassen.
»Da ist Hohen-Leucken.«
Das Herrenhaus sah vom Hügel herunter, grau unter dem schweren, wetterdrohenden Himmel. Die Jungen sahen es aufmerksam und mit der ungeheuer sachlichen Abschätzung an, auf die man sich in diesem Alter so viel zugute tut. Aber die Hauptsache an dem alten häßlichen einsamen Hause sahen sie doch nicht: ein braunes, sehnsüchtiges Struwwelköpfchen, das schon seit geschlagenen zwei Stunden durch die eine der Dachluken auf den Weg spähte, der übers Moor ging.
»Gisa, Gisa, sie kommen, sie kommen!«
Des Hauses jüngstes Kind poltert die Treppe hinunter, daß man es bis ins entfernteste Zimmer hört, stolpert, fällt, poltert weiter, schreit: »Sie kommen, sie kommen!«
Gisa war blutrot vor Ärger. »Dumme Jöre, man schreit nicht so! Was ist denn dabei? Geh lieber und kämme Dich!«
Sie liebte solch kindisches Getue nicht. Sie genierte sich wegen des dummen Fritzchen, die feine kleine Gisela im hellblauen Kleidchen.
Als es nun wirklich so weit war und Herr v. Zülchow mit seinen großen Jungen in der Halle stand, steckte Fritzchen die Finger in den Mund und hätte sich am liebsten verkrochen. Ach ja, sie war auch zu nichts zu gebrauchen.